Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

FIFA-Regel verhindert Integration bei den Kickers

14-Jähriger Flüchtling aus Somalia

Yoruba (Name von der Redaktion geändert) ist 14 Jahre alt und ein unbegleiteter Flüchtling aus Somalia, der über den Sudan, Syrien und Italien nach Würzburg kam. Sein Weg der Integration führt ihn zu den Würzburger Kickers. Fußball macht ihm Spaß und bei den Rothosen fühlte er sich gut aufgenommen. Er hat hier eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, ein gesetzlich bestellter Vormund steht ihm zur Seite. Er geht in die Schule und hofft auf einen Ausbildungsplatz. Ein tolles Beispiel für Integration durch Sport – doch die FIFA macht ihm laut SZ einen gewaltigen Strich durch die Rechnung.

FIFA-Regel erschwert Integration

Nachdem Yoruba von einigen Jungs angesprochen wurde, ob er nicht ins Team der Würzburger Kickers wolle, kickte er für einige Monate bei der U17-Mannschaft der Rothosen. Nachdem Jugendleiter Andreas Kraft aber in Abstimmung mit Yorubas Heim einen Passantrag stellte, kam ein negativer Bescheid aus München zurück. Eine Mitgliedschaft bei den Kickers wäre für den jungen Flüchtling nicht möglich, weil die 1. Mannschaft der Kickers in einer der vier höchsten Ligen, in diesem Fall der Regionalliga Bayern, spiele. In diesem Fall dürfe ein minderjähriger Nicht-EU-Ausländer nur dann Mitglied werden, wenn die Eltern zustimmen.  Wie das bei de „unbegleiteten Flüchtling“ Yoruba funktionieren soll, ist in den FIFA-Regularien nicht berücksichtigt. Die Unterschrift der Heimleitung wurde auch nicht akzeptiert.

Kickers zu hochklassig

Auf den ersten Blick scheint die Regel unsinnig. Sie hat aber generell eine gute Intention. Die FIFA möchte so verhindern, dass jugendliche Talente mit dem Traum  des bezahlten „Profifussballs“ aus ihrer Heimat gelockt werden oder gar Interesse bei Menschenhändlern und Schleusern erwecken könnten. Ob das eine Unterschrift der Eltern wirklich unterbinden könnte, sei mal dahingestellt. Kraft meint hierzu: „Ein FIFA-Erlass zum Schutz von Kindern und Jugendlichen macht Sinn, ein pauschaler Rundumschlag wie hier sicherlich nicht“. Dem Bayerischen Fussballverband sind indes die Hände gebunden, da er sich nicht über die Regeln in Ausnahmefällen hinwegsetzen kann, da ansonsten Strafen drohen. Eine ausführliche Erklärung des Verbandes erfolgte auf der Homepage, aber die Zuständigkeit um bei der FIFA eine Änderung herbeizuführen, sieht man klar beim Deutschen Fussballbund (DFB) in Frankfurt.

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Wer trainiert, will auch Spielen

„Der Spieler wird sich einen anderen Verein suchen, denn wer eifrig trainiert, will auch spielen und sich im Wettkampf messen“. Krafts Aussage ist logisch und birgt Verständnis für einen anstehenden „Wechsel“ zu einem anderen Verein, obwohl er das junge Talent gerne in einer roten Hose auf dem Fussballplatz gesehen hätte. Beim Würzburger FV wäre das wiederum möglich, da deren 1. Mannschaft eine Liga tiefer in der Oberliga antritt und nicht unter die FIFA-Statuten fällt. Rein sportlich würde Yoruba mit der „blauen“ U17 sogar eine Jugendklasse höher spielen.

Integration durch Sport in Würzburg

Abgesehen der Tatsache, dass der junge Fussballer bereits Freunde unter seinen Sportkameraden gefunden hatte und vor der Entscheidung steht, zum Stadtrivalen zu wechseln, bleibt ein positiver Blick auf einige Projekte mit dem Ziel, Flüchtlinge über den Sport in die Würzburger Gemeinschaft zu integrieren. Dazu gehört das erst kürzlich vom Bayerischen Fussballverband ausgezeichnete Engagement der Freien Turner bei ihrem „Sport ohne Grenzen“ oder die vom DFB ausgezeichnete offene Stadtteilliga www.wuerzburgkicktbunt.de, die seit 1997 existiert. Die Kickers lassen sich derweil nicht von diesem unsinnigen Fall abbringen, auch weiterhin Flüchtlingen eine sportliche Heimat in Würzburg zu bieten, wie zahlreiche Aktionen von „Kickers hilft e. V.“ zeigen.

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