Würzburg - Foto: Pascal Höfig
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40. Jubiläum: „Das Feld des Bischofs ist die Welt“

Interview mit Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele

Auf eine selten langjährige Amtszeit als Bischof blickt em. Dr. Paul-Werner Scheele zurück. Am Montag, 9. März sind ganze 40 Jahre seit seiner Bischofsweihe vergangen, was er bei einem Pontifikalgottesdienst am Sonntag, 15. März um 16 Uhr im Würzburger Kiliansdom feiert. In einem Interview mit der Pressestelle Bischöfliches Ordinariat Würzburg (POW) erzählt er von seiner Zeit als Bischof und was ihn in 40 Jahren besonders bewegt hat.

POW: Herr Bischof Scheele, Sie begehen das 40. Jubiläum Ihrer Bischofsweihe. Was bedeutet dieser Termin für Sie persönlich?

Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele: Er ist ein Anlass, Gott und zugleich vielen Mitmenschen aus ganzem Herzen zu danken.

POW: Wenn Sie auf die zurückliegenden vier Jahrzehnte blicken: Wie hat sich das Bischofsamt seither verändert?

Bischof Scheele: Die Grundgegebenheiten des Bischofsamts haben sich nicht verändert. Die Bischöfe sind „Diener Christi und Ausspender der Geheimnisse Gottes“, wie es im Ersten Korintherbrief heißt. In der Nachfolge der Apostel sind sie berufen, Lehrer des Glaubens, Priester des heiligen Gottesdienstes und Diener in der Leitung zu sein. In den letzten Jahrzehnten ist auf neue Weise bewusst geworden, dass jeder Bischof über seinen speziellen Verantwortungsbereich hinaus die Aufgabe hat, „Förderer der Gesamtkirche und aller Kirchen“ zu sein. Zudem zeichnet sich immer mehr ab, dass der Hirtendienst über die Grenzen der Kirche hinausgeht. Sein Feld ist die Welt.

POW: Mit welchen Worten würden Sie einem Kind das Bischofsamt erklären?

Bischof Scheele: Das hängt vom Alter des Kindes und seinem Glaubenswissen ab. Dabei ist sowohl der Bezug zu Jesus Christus sowie zu jedem Menschen in den Blick zu rücken. Der Erlöser hat zu seinen Freunden, den Aposteln, gesagt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Als Nachfolger der Apostel haben die Bischöfe diesen Auftrag übernommen. Sie sind dazu da, im Namen Christi zu lehren, zu feiern und zu helfen.

POW: Was sind die wichtigsten Aufgaben des Bischofs?

Bischof Scheele: Das Konzil lehrt im Bischofsdekret, dass die Verkündigung der Frohbotschaft „den Vorrang unter den hauptsächlichsten Aufgaben des Bischofs“ hat. Damit verbunden ist die Feier der Sakramente. In der Nachfolge des einen guten Hirten ist ihnen die Hirtensorge übertragen, die über den Kreis der ihnen unmittelbar Anvertrauten hinausgehen soll.

POW: In Ihrer Zeit als Bischof haben Sie viel erlebt. Was war rückblickend für Sie das schönste Ereignis in diesem Amt?

Bischof Scheele: Es fällt mir schwer, nur ein Ereignis zu nennen. Besonders dankbar bin ich für die 1300-Jahr-Feier der Mission und des Martyriums der Frankenapostel anno 1989, in der die Partnerschaft mit der neu gegründeten Diözese Mbinga in Tansania beschlossen wurde. 1992 haben wir die Gründung unserer Diözese vor 1250 Jahren durch den heiligen Bonifatius gefeiert. Gern denke ich an den Diözesentag „Weg-Kreuzung“ 1996 zurück, an dem wir für die Ergebnisse des dreijährigen Dialogprozesses „Wege suchen im Gespräch“ danken und vom Wege-suchen zum Wege-gehen aufbrechen konnten.

POW: Wie würden Sie das Verhältnis eines Ortsbischofs zum Papst umschreiben?

Bischof Scheele: Beide gehören zu dem einen, vom Herrn gestifteten apostolischen Kollegium. Jede Diözese ist ganz Kirche, aber nicht die ganze Kirche. Sie ist Teilkirche, aber nicht ein Kirchenteil: „Sie sind nicht als Stellvertreter der Bischöfe von Rom zu verstehen, denn sie haben eine ihnen eigene Gewalt inne und heißen in voller Wahrheit Vorsteher des Volkes, das sie leiten“. All das verpflichtet Papst und Bischöfe zur vertrauensvollen Zusammenarbeit, in der die Position aller beachtet und geachtet wird.

POW: Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie an der Bestellung von Bischöfen ändern?

Bischof Scheele: Bei der Bestellung von Bischöfen sind Wege zu suchen, Vertreter der betroffenen Diözese auf geeignete Weise einzubeziehen.

POW: Bei Ihrer Verabschiedung haben Sie betont: „Bischöfe kommen und gehen, Jesus Christus bleibt!“ Was wollten Sie damit ausdrücken?

Bischof Scheele: In den vielen Veränderungen des kirchlichen Lebens, die wir zurzeit wahrnehmen, gilt es, das Bleibende nicht aus den Augen und aus dem Sinn zu verlieren. Unsere Kirche ist und bleibt die Kirche des dreieinen Gottes, Volk Gottes, Leib Christi, Tempel des Heiligen Geistes. „Die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“, heißt es im Matthäusevangelium.

Das Interview beruht auf einer Pressemitteilung der Pressestelle Ordinariat Würzburg.

 

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