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Schneewittchen – Breaking Out: Ballett trifft Breakdance in cooler Inszenierung!

Altes Märchen – Neuer Glanz!

Schneewittchen – eines der beliebtesten Märchen überhaupt. Jedes Kind kennt das Mädchen mit den Haaren schwarz wie Ebenholz, der Haut weiß wie Schnee und den Lippen rot wie Blut. Anna Vita inszenierte nun, in Zusammenarbeit mit Dance Encore, das Märchen für das Mainfranken Theater neu. Klassisches Ballett trifft dabei auf hippen Breakdance – und verleiht dem Märchen aus der Kindheit völlig neuen Glanz.

Modelschule & Großstadtdschungel – Schneewittchen reloaded

Das Stück beginnt ähnlich dem Märchen. Der Vater liegt im Sterben und wünscht sich, dass sich die Stiefmutter (Caroline Matthiesen) und das Schneewittchen (Camilla Matteucci) gut verstehen. Dann wird es etwas zäh. In der modernen Fassung betreibt die Stiefmutter eine Modelschule, in der sie ihre Models quält und sich mit zwei Liebhabern vergnügt. Als Zuseher wirkt dieser Part etwas lang, da es mit dem Original so gar nichts zu tun hat und sich die Handlung auf den ersten Blick nicht erschließt. Das liebliche Schneewittchen und die aufgeweckten Models bringen jedoch Schwung in die Geschichte.

Dem Märchen getreu, wird der Stiefmutter immer wieder von einem großen Spiegel gezeigt, in diesem Fall aus Wasser, wer denn die Schönste im Land sei. Als Schneewittchen mit in die Modelschule kommen soll, flieht sie. Nicht wie im Märchen durch den Wald, sondern durch den Großstadtdschungel. Und hier setzt zum ersten Mal auch moderne Musik und ein hipper Tanzstil ein und das Stück nimmt so richtig Fahrt auf. Die beiden strammen Liebhaber der Stiefmutter machen sich auf die Suche nach Schneewittchen und sollen sie töten. Das Herz, welches die Stiefmutter verspeist, ist dann aber nicht Schneewittchens, sondern das eines Wildschweins.

Eine Jungs-WG heizt ein

Schneewittchen flüchtet sich in der Zwischenzeit in eine WG, nach und nach kommen die sieben Bewohner nach Hause. Dieser Part ist eines der absoluten Highlights des Stückes. Der erste Breakdance der sieben jungen WG-Kollegen bringt das Publikum in Jubelstimmung, die Jungs heizen dem Stück so richtig ein. Die Parallelen zum Märchen sind hier auf jeden Fall gegeben, die moderne Version der gemeinsamen WG trifft den Nagel auf den Kopf.

Die Stiefmutter versucht im Laufe des Stückes mehrmals das Schneewittchen zu töten, scheitert aber immer wieder. Zwischen zwei Mordversuchen lernt das Schneewittchen ihren Prinzen kennen, einen Ex-Mitbewohner der WG (oder ist es der Pizzabote?).

Happy End und tosender Applaus

Beim dritten Versuch scheint es der Stiefmutter dann endlich zu gelingen – das Schneewittchen erstickt an einem vergifteten Apfel. Die Jungs wollen das Schneewittchen tragen, geraten ins Stolpern und sie fällt zu Boden. Sie beginnt zu husten und spuckt das vergiftete Apfelstück wieder aus.

Wie im Märchen, ist natürlich auch hier ein Happy End geboten, jedoch mit gelungenen Szenen, die dem Publikum den ein oder anderen Lacher entlocken. Alle feiern Schneewittchens Rückkehr ins Leben, die Stiefmutter wird, um es modern auszudrücken, „weggedisst“. Ein letztes Mal sieht man sie noch vor ihrem Spiegel, sie geht durch ihn hindurch und all ihre Schönheit schmilzt dahin. Diese letzte Szene ist noch einmal ein letzter Aha-Effekt für das Publikum, welches sich zu tosendem Applaus hinreißen ließ.

Ballett und Breakdance harmonisch vereint

Alles in allem lässt sich „Schneewittchen – Breaking Out“ als eine wunderbar moderne Inszenierung zusammenfassen, die frischen Wind in die, oft angestaubte Welt des Ballett zaubert. Der Tanz, der klassische sowie der moderne, ist durchgehend wunderschön anzusehen, die Synchronität vor allem bei den Breakdancern verblüffend. Ebenfalls besonders hervorzuheben sind das liebliche Schneewittchen und die intrigante Stiefmutter, die sich ihren Rollen hingeben und eine sehr überzeugende Darstellung liefern. Über einen solchen Zeitraum als Tänzer die Körperspannung aufrecht zu erhalten und dabei auch noch ansehnlich auszusehen, verdient beim Ballett, aber auch beim Breakdance, großen Respekt. Die verschiedenen Tanzstile harmonierten in der Inszenierung überdies fast makellos.

Ein modernes Schneewittchen für junge Menschen

Das moderne Schneewittchen braucht keinen Prinz mehr für ihr Glück und ist auch mit schicker Kurzhaarfrisur schön anzusehen. Die zeitgenössische Musik, von HipHop bis zu fast jazzigen Tönen, wechselt sich mit klassischen Tönen ab und verleiht der Inszenierung das gewisse Etwas. Hass, Liebe, Neid, Schönheitswahn und sogar ein kleines bisschen Sex – Diese Themen waren schon zu Schneewittchens Zeiten aktuell und sind es heute eben immer noch. Die eineinhalb Stunden vergehen dabei wie im Fluge.

„Schneewittchen – Breaking Out eignet sich für fast alle Zielgruppen, von jung bis alt. Vor allem Jugendliche dürften an dem Stück aber ihre Freude haben, es eignet sich perfekt als Einstieg in die Welt des Ballett, da es kurzweilig und äußerst unterhaltsam daherkommt. Das Ballett wird noch zu mehreren Terminen bis Juli aufgeführt, zur Kartenbestellung geht es hier. 

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