Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

„Monument“: Würzburg nach dem 16. März 1945 und heute

Ein Gastbeitrag von Julian Michel

Vom Betrachter zum Akteur

Die Vermittlung historischer Momente findet nach wie vor meist in Form von Schrift und Bild statt und hält, ebenso wie filmische Dokumentationen, häufig eine gewisse Distanz zum Betrachter. Durch die Möglichkeiten digitaler Medien kann
der Blick in die Vergangenheit intensiver wahrgenommen und die Aufmerksamkeit der Nutzer gesteigert werden. Durch die Interaktion wird der Betrachter selbst zum Akteur und bestimmt jederzeit, welche Informationen ihm vermittelt werden.

Die Geschehnisse des 16. März 1945 neu aufbereitet

Ein Ereignis wie die Zerstörung der Stadt Würzburg am 16. März 1945 bedarf einer solchen emotional aufbereiteten Annäherung. Am 16. März 1945 wurde die historische Altstadt Würzburgs zu 90% zerstört. In nur einer Nacht fielen dem Angriff der britischen Royal Airforce dabei ca. 5000 Menschen zum Opfer. Das eigentliche Ausmaß der Zerstörung ist heute kaum mehr zu begreifen und kann allein durch Zahlen nicht dargestellt werden.

Das Projekt Monument entstand im 7.Semester meines Studiums an der FHWS Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt an der Fakultät Gestaltung im Fachbereich Interaktive Medien unter Professor Erich Schöls. Durch eine »leap motion« – das ist eine Stereokamera, die mir exakte Werte über die eigene Handposition und Handdrehung ausgibt – wird bei meinem Projekt erkannt, wenn ich mich einem mit Stoff bespannten Tisch nähere und in den Stoff eindrücke.

„Eintauchen in die Geschichte Würzburgs“

Von unten wird über einen Beamer ein Luftbild Würzburgs rück-projeziert. Durch das Eintauchen in den Stoff und somit auch das »Eintauchen in die Geschichte Würzburgs« zoomt man näher an das Luftbild, durch eine Handdrehung kann man »die Zeit zurückdrehen« und zwischen einem Luftbild von 1945 und dem heutigen unterscheiden. Durch längeres Eintauchen erscheint im Hintergrund eine akustische Untermalung, die das Thema noch weiter emotionalisiert, ebenso wie einige Flieger und Wolken, die über die Karte fliegen.

Wenn ein Ort lange genug anvisiert wurde, wird dieser ausgewählt und ich kann auch hier zwischen einem aktuellen Foto des Ortes und einem Bild von 1945 unterscheiden, indem ich mit der Hand Teile des Bildes frei lege. Sobald ich meine Hand aus dem Rahmen herausziehe, zoome ich wieder aus dem Bild heraus und lande auf dem Startscreen. Insgesamt sind momentan 30 unterschiedliche Ansichten der Innenstadt inbegriffen, eventuell folgen aber noch weitere.

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