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Beziehungsstress zu den Feiertagen?

4 Fragen zum Thema Beziehungsstress

Rund um Weihnachten und Neujahr hegen viele Menschen den Wunsch nach einer „heilen Familienwelt“. Man verbringt zusammen schöne Tage, schiebt die Probleme für einige Tage auf Seite und dann kommt es meistens doch anders als man denkt. Wenn der vorweihnachtliche Stress abfällt und man endlich Zeit füreinander hat, sprudeln die familiären Probleme häufig erst recht hoch. Wir haben Andreas Schrappe, den Leiter des Evangelischen Beratungszentrums der Diakonie Würzburg, 4 Fragen zum Thema gestellt.

1. Kommt es an Weihnachten häufiger zu Stress in der Partnerschaft bzw. in der Familie?

AS: Die Beziehungen sind an Weihnachten nicht besser oder schlechter als während des übrigen Jahres. An Weihnachten jedoch, wenn Partner, Eltern bzw. Kinder längere Zeit zusammen sind, treten die Schwächen und Probleme mehr zutage. Verstärkt wird dies durch das Bild von Weihnachten als dem „Fest der Liebe“ – im Vergleich dazu wird deutlich, dass der Haussegen bei uns manchmal ziemlich schief hängt.

2. Haben Sie Ratschläge und Tipps, den Frieden an den Feiertagen zu wahren?

AS: Dass es zwischen uns Menschen neben Zuneigung und Vertrauen auch Ärger und Enttäuschung gibt, ist ganz natürlich. Wir können das Weihnachtsgeschehen von der Menschwerdung Gottes in einem Stall so verstehen, dass unsere ganz normale Wirklichkeit akzeptiert ist. Also – schrauben wir unsere Erwartungen an weihnachtlicher Harmonie auf ein menschliches Maß herunter! Und: Überladen wir die Weihnachtsfeiertage nicht mit zu viel Aktionen und Verabredungen.

3. Was raten Sie Partnern, wenn die Situation zu den Feiertagen eskaliert?

AS: Beide Partner sollten dafür sorgen, dass die Auseinandersetzungen nicht die ganzen Feiertage überschatten. Schon gar nicht, wenn Kinder da sind, die mit Ihren Eltern etwas Schönes erleben wollen. Man kann doch zueinander sagen: „Okay, wir haben hier Streit. Vielleicht sogar schon länger. Wir verabreden, uns nach den Feiertagen darum zu kümmern!“ Wenn das Gespräche zu zweit nicht klappt, gibt es z. B. die Ehe- und Familienberatungsstellen der Kirchen.

4. Es scheint häufig, dass vor allem zu den Weihnachtsfeiertagen für Kinder und Familie eine „heile Familienwelt“ gewahrt wird. Kommt es nicht erst dadurch zu Auseinandersetzungen?

AS: Wenn die „heile Familienwelt“ nur ein unaufrichtiger Schein ist, wird sich niemand richtig wohl fühlen. Was anderes ist es, wenn Partner, Eltern oder Kinder sich ehrlich darum bemühen, sich zuzuhören und dem Anderen Freude zu bereiten. Gute Familienbeziehungen fallen nicht vom Himmel, sondern es braucht immer das aktive Zutun aller. Gut ist eine offene Kommunikation. Also dass man sich vor den Feiertagen bespricht, wer was für Wünsche und Vorstellungen hat. Wem sind welche Rituale wichtig? Wer mag was unternehmen? Wer will wie lange ausschlafen, wer kümmert sich um das Essenkochen? Wer hat eine Idee für ein schönes Spiel?

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