Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Arbeitsplatz für Menschen mit Handicap im Juliusspital

Dominik Beier: Eine Chance, die ich nutzen möchte

In einer Großküche zu arbeiten, ist sicher nicht einfach, schon gar nicht für einen Menschen mit Handicap. Für Dominik Beier ist es ein Traumjob und eine besondere Chance zu gleich. Stolz berichtet der 25-jährige Mann, dass er vor über zwei Jahren erstmals Berührungspunkte mit der Großküche im Juliusspital hatte. Nach einer nicht abgeschlossenen Bäckerlehre war er arbeitslos und besuchte die Maßnahme ‚Diagnose Arbeitsmarktfähigkeit‘ (DIA- AM), im Auftrag der Agentur für Arbeit.

Schon immer Schwierigkeit beim Lernen

Herr Beier fiel das Lernen schon immer schwer und bereits seit seiner Kindheit ist er auf eine besondere Förderung angewiesen. Ausgehend von der Fragestellung, ob er auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten kann oder eine Anstellung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung findet, wurden verschiedene Berufsfelder und Arbeitsbedingungen in der ‚DIA- AM‘ getestet. „Im Ergebnis zeigte Herr Beier ein Potenzial für eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, die bestimmte Rahmenbedingungen und eine bestimmte Arbeitsumgebung voraussetzt“, erklärte Sigrid Höllein, Rehaberaterin der Agentur für Arbeit.

„Unterstützte Beschäftigung“ war große Hilfe

Um Dominik Beier die Chance zu geben, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Stelle zu erhalten, vermittelte ihn die Agentur für Arbeit in die Maßnahme ‚Unterstützte Beschäftigung‘ im Integrationsfachdienst Würzburg (IFD) und übernahm dafür die Kosten sowie die Leistungen zum Lebensunterhalt für Dominik Beier. „Die ‚Unterstützte Beschäftigung‘ ist eine Maßnahme für Menschen mit Behinderung, die im Arbeitsleben intensive und längerfristige Unterstützung brauchen. Ziel ist es, eine sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden“, erläuterte Madeleine Leube, IFD Fachberaterin und Mitarbeiterin der ‚Unterstützten Beschäftigung‘. Die individuelle betriebliche Qualifizierung kann dabei bis zu 24 Monate dauern.

Stärken und Fähigkeiten fördern

„Zunächst haben wir mit Herrn Beier seine besonderen Fähigkeiten, Kenntnisse und Wünsche, aber auch den Unterstützungsbedarf erarbeitet. Im Integrationsfachdienst arbeiten wir nach einem ressourcenorientierten Ansatz. Wir fördern die Stärken und Fähigkeiten und die Einschränkungen geraten in den Hintergrund. Dies motivierte Herrn Beier von Beginn an“, berichtete Madeleine Leube. Nach dem Grundsatz ‚Erst platzieren, dann qualifizieren‘ wurde mit Herrn Beier bereits nach wenigen Tagen mit einer individuellen betrieblichen Qualifizierung im Küchenbereich begonnen.

Einlernen mit Qualifizierungstrainer

Der Teilnehmer wusste sehr schnell, wo er hinwollte: „Ich hatte schon einmal ein Praktikum in der Zentralküche des Juliusspitals gemacht und es hatte mir dort sehr gut gefallen. Deshalb wollte ich unbedingt wieder dorthin.“ Um Herrn Beier bestmöglich für den Arbeitsalltag anzulernen, war mehrere Tage in der Woche ein Qualifizierungstrainer des IFD vor Ort. „Es gibt viele Tätigkeiten, bei denen wir den Mitarbeitern in den Betrieben bei der Anleitung unserer Teilnehmer zur Hand gehen können. Im Fall von Herrn Beier haben wir beispielsweise die erste Woche nur geübt, Tabletts in einen Speisewagen richtig einzuräumen. In der nächsten Woche ging es darum, wie der Salat richtig geputzt wird und danach wie er Lebensmittel sachgerecht aus dem Lager holt und verräumt“, erzählte Madeleine Leube.

Mit kleinen Schritten ans Ziel

Kleinschrittig wurden mit Unterstützung des Küchenleiters und des Fachpersonals Arbeitsstrukturen und -hilfen erarbeitet und eingeübt. Herr Beier zeigte sich aufgeschlossen und motiviert. Neben der intensiven Einarbeitung in Anlerntätigkeiten, bildeten die Förderung der Sozialkompetenz und die Weiterentwicklung der Persönlichkeit weitere wichtige Meilensteine in der Zusammenarbeit mit Herrn Beier. Einmal in der Woche fanden Projekttage statt, in denen berufsübergreifende Inhalte, wie Training sozialer Kompetenzen, Eigen- und Fremdwahrnehmung, Förderung der Selbstständigkeit und allgemein Themen zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erarbeitet und in praktischen Übungen umgesetzt wurden.

Vom schüchternen Mann zum wertgeschätzten Mitarbeiter

Die ‚Unterstützte Beschäftigung‘ ist eine ganzheitliche Maßnahme, die ihren Fokus neben der Arbeit auch auf das Lebensumfeld legt, so auch bei Herrn Beier, erklärten die Verantwortlichen. Aus dem anfänglich schüchternen, jungen Mann, der unsicher über seine Brille schaute, wurde in den letzten zwei Jahren ein wertgeschätzter Mitarbeiter, der selbstbewusst und stolz über seine Aufgaben und Leistungen in der Großküche berichtet. Der gebürtige Würzburger arbeitete hart an sich, nutzte die Unterstützungsangebote des Integrationsfachdienstes und zeigte, was er kann.

Großer Aufwand hat sich gelohnt

Das beeindruckte auch den Leiter der Zentralküche im Juliusspital, Bernhard Krieger: „Wir haben uns mit Herrn Beier alle auf eine neue Reise begeben. Für mich und das gesamte Team war es zunächst eine Umstellung und ein erheblicher Aufwand ihn zwei Jahre anzulernen, doch es hat sich gelohnt. Ohne die Hilfe durch den IFD wäre es sicher nicht möglich gewesen, Herrn Beier hier einzuarbeiten. Um individuell auf die Leute einzugehen, fehlt uns im Arbeitsalltag natürlich die Zeit. Dennoch brauchen wir Mitarbeiter wie Herrn Beier, die auch Hilfstätigkeiten übernehmen können. Wir haben im Laufe der Zeit mehrere Arbeitsplätze in der Großküche entwickelt, die aus verschiedenen kleinen Arbeitsaufgaben bestehen, sodass eine Hilfskraft diese übernehmen kann. Aus heutiger Sicht war das auf jeden Fall der richtige Weg.“

Beschäftigungsfond des Juliusspitals

Er schlug Dominik Beier nach der Maßnahme für den Beschäftigungsfond des Juliusspitals vor: Bereits 1999 beschloss die Stiftung Juliusspital die Gründung des Beschäftigungsfonds. Hintergründe waren zum einen der Wegfall des früher ausgeprägten Pfründerwesens infolge geänderter Gesetze und entstandener Behinderteneinrichtungen und zum anderen der Stiftungszweck, den Julius Echter bereits 1579 formulierte: Die Stiftung solle immer den Mangel der jeweiligen Zeit erkennen und nach Möglichkeit beheben.

Die Chance auf optimalen Arbeitsplatz

„Als 1999 die Arbeitslosenquote relativ hoch war und es vor allem für Menschen mit Behinderung schwer war einen Arbeitsplatz zu finden, entschieden wir uns für die Installation des Beschäftigungsfonds. Damit wollten wir erreichen, dass Menschen mit Behinderung die Chance erhalten in dem für sie optimalen Bereich sozialversicherungspflichtig zu arbeiten“, informierte Oberpflegeamtsdirektor Walter Herberth.

Nur positive Erfahrungen

Herr Beier ist nun der 16. Mitarbeiter, der auf diese Weise beschäftigt wird. „Wir sind froh, dass wir eine solche Aufgabe auch 2014 noch weiterführen können. Die Erfahrungen dabei sind durchweg positiv“, führte Walter Herberth aus. Dominik Beier ist mittlerweile fest angestellt in der Zentralküche des Juliusspitals. Er ist sehr glücklich mit seinen Aufgaben und kommt so gerne auf die Arbeit, dass er sogar in seinem Urlaub vorbeischaut. „Ich bin mir bewusst, was ich hier für eine Chance bekomme und die will ich unbedingt nutzen“, erzählte Dominik Beier.

Arbeitsplätze langfristig erhalten

Für Madeleine Leube und ihre Kollegen vom IFD ist die Arbeit damit noch nicht beendet. Sie werden weiter für Herrn Beier da sein. „Es gibt immer mal wieder Probleme auch nach der ‚Unterstützten Beschäftigung‘. Wenn im privaten Bereich etwas schief läuft oder es Schwierigkeiten auf der Arbeit gibt, kann das Herrn Beier aus dem Gleichgewicht bringen und zu Spannungen am Arbeitsplatz führen. Dann sind wir zur Stelle! Unser wichtigstes Ziel ist es, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung individuell zu schaffen, zu sichern und langfristig zu erhalten“, erklärte Madeleine Leube.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Mainfränkischen Werkstätten GmbH. 

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