Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Studentenwohnheim wird zum Flüchtlingswohnheim

Mietverträge der 60 Studenten im Christophorus-Haus nicht verlängert

Das Studentenwohnheim Christophorus-Haus des diözesanen Vereins Studentenburse in der Würzburger Sankt-Benedikt-Straße 16 wird zum Wohnheim für 40 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge umgebaut. „Das Haus hätte ohnehin wegen dringender Sanierungsarbeiten geschlossen werden müssen“, erläuterte Ottmar Finger, Leiter der Liegenschaftsabteilung der Diözese Würzburg. Neben der Errichtung eines zweiten Fluchtwegs stehe auch eine Sanierung der sanitären Einrichtungen auf dem Programm. Die Mietverträge der bisher dort lebenden 60 Studenten seien zum 31. März 2015, dem Ende des Wintersemesters, nicht mehr verlängert worden. „Wir tun selbstverständlich unser Mögliches, die Studenten auf die anderen diözesanen Wohnheime zu verteilen.“

Die betroffenen Studenten wurden am 14. November über das Auslaufen Mietverträge zum Semesterende informiert. Außerdem gab es ein Gespräch mit ihnen am Montag, 8. Dezember. Nach Angaben von Otmar Finger ist die natürliche Fluktuation bei den Mietern der Wohnheimplätze der Diözese groß genug, dass jedem betroffenen Bewohner des Christophorus-Hauses ein alternatives Zimmer angeboten werden kann.

Flüchtlinge sollen im Sommer 2015 einziehen können

Andreas Halbig, Direktor des Caritas-Don-Bosco-Berufsbildungswerks Würzburg, zeigte sich erfreut über das neue Quartier für die jugendlichen Flüchtlinge, das voraussichtlich im Sommer 2015 bezogen werden könne. Seine Einrichtung fungiert als unterfränkische Clearingstelle für unbegleitete Minderjährige, stoße aber angesichts des großen Bedarfs an Kapazitätsgrenzen. Kerngeschäft sei die Arbeit mit psychisch Erkrankten und Autisten. „Wir sind Bischof Dr. Friedhelm Hofmann ausgesprochen dankbar für sein Angebot. Passende zugeschnittene Immobilien in Würzburg zu finden, in denen 40 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden können, ist nahezu unmöglich. Neben Quarantänezimmern braucht es zum Beispiel auch Räume für Erzieher, damit rund um die Uhr eine angemessene und qualifizierte pädagogische Betreuung gewährleistet werden kann.“ Als Übergangslösung hätten die Franziskanerminoriten in ihrem Konventgebäude in der Innenstadt 24 Plätze geschaffen. Um die Situation für die ehemals im Christophorus-Haus wohnenden Studenten etwas zu entschärfen, habe das Berufsbildungswerk im Ausweichquartier Technikum am Heuchelhof acht Studentenzimmer bereitgestellt.

Staatliche Vorgaben seien nur hier erfüllt

Auf die Nachfrage, warum das Haus nach der Sanierung nicht mehr den Studenten zur Verfügung gestellt werde, hieß es, dass es für die Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge staatliche Vorgaben gäbe, die sich so in keinem anderen Würzburger Gebäude umsetzen ließen. Deswegen habe sich Bischof Dr. Friedhelm Hofmann dafür eingesetzt, dass im sanierungsbedürftigen Christophorus-Haus nach den ohnehin notwendigen Umbauarbeiten entsprechender Raum zur Verfügung gestellt wird.

Bistum stellt insgesamt 370 Studentenwohnplätze

Finger hob hervor, dass das Bistum Würzburg auch nach dem Wegfall des Christophorus-Hauses rund 370 Studentenwohnplätze in Würzburg zur Verfügung stelle. Erst 2013 seien 80 neue Zimmer im Häfner-Haus, der früheren Kinderklinik am Mönchberg, hinzugekommen. „Mindestens 100 weitere neue Wohnheimplätze werden im Studentenwohnheim entstehen, das die Diözese nach der Gartenschau 2016 im Hubland errichten wird.“

Auch außerhalb Würzburgs engagiert sich das Bistum für minderjährige Flüchtlinge: Am Montag, 8. Dezember, sind neun unbegleitete Jugendliche aus Eritrea und ein junger Mann aus Mali im Bungalowdorf der Jugendbildungsstätte Volkersberg angekommen. Sie sind zwischen 16 und 18 Jahre alt und wurden dem Landkreis Bad Kissingen im Zuge des staatlichen Verteilungsverfahrens zugewiesen. Landrat Thomas Bold dankte in einem Pressegespräch am Mittwoch, 10. Dezember, den Verantwortlichen vor Ort, dass sie sich dazu bereit erklärt haben, die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge bis maximal 15. März 2015 aufzunehmen: „Diese jungen Menschen haben ihr Heimatland nicht ohne Grund verlassen. Es ist unsere Aufgabe, ihnen die Chance zu geben, sich bei uns zu integrieren.“

Dieser Artikel enthält Auszüge aus der Pressemitteilung der POW und eigener Recherchen.

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