Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Proteste ja – aber sie müssen friedlich bleiben!

Zeichen der Solidarität mit Dresden

Der gestrige Abend begann friedlich. Rund 200 Würzburger versammelten sich am Sternplatz, um zusammen mit dem Würzburger Bündnis für Zivilcourage ein Zeichen der Solidarität mit Dresden und gegen die Pegida-Anhänger zu setzen. Die Menschen rückten enger zusammen, hielten ihre Kameras und Handys in die Höhe und demonstrierten mit einem „FotoFLASHMob“ für Frieden und Freundlichkeit. Wunderkerzen wurden untereinander ausgeteilt, es duftete wie ein Silvesterabend im Kreise der Familie.

„Wir sind Würzburg, wir sind Dresden, wir sind bunt!“  schallte es über Sternplatz und Domstraße. Dazwischen Fernsehkameras, Reporter, Fotografen. Es folgten Appelle wie „Wir wehren uns gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung!“ und „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“. Die 200 Würzburger stimmten dem friedlich zu und setzten mit ihrer Anwesenheit ein Zeichen für die Solidarität.

Viel los auf den Straßen zur Demo

Die ganze Stadt schien an diesem Abend in Bewegung. Die Mitglieder des Aktionsbündnisses zogen mit ihrem Banner weiter. Von Unterstützer zu Unterstützer. Viele wollten ein Zeichen gegen Pegida setzen. Die Menge am Sternplatz löste sich auf, einige gingen weiter. Richtung Paradeplatz. Menschen strömten durch den Durchgang links vom Dom, sogar ein Polizeibus manövrierte sich durch die schmale Öffnung. Wie viele Polizeiwägen an diesem Abend in Würzburgs Straßen standen, ließ sich nicht zählen. Es waren viele.

Am Paradeplatz, zwischen Post und Sparkasse, versammelten sich die Gegendemonstranten. Zwei junge Männer kletterten links und rechts der Hofstraße auf Bäume. Ausgerüstet mit Bergsteigerausrüstung wollten sie ein Seil mit einem Transparent über die Straße spannen. Die Polizei stoppte sie. „Aus Sicherheitsgründen“, erklärten die Beamten. Die Personalien der beiden wurden festgestellt.

100 Pegida-Anhänger und 400 Gegendemonstranten

400 Gegendemonstranten hatten sich gegen sieben Uhr dort versammelt. Vor allem viele junge Menschen wollten ein Zeichen setzen. Noch war es ruhig. Man wartete gespannt auf die Pegida-Demo, die sich vor der Residenz sammelte. Jung und Alt standen friedlich zusammen. Es wurde getrommelt, gepfiffen, getrötet. Die Grüppchen unterhielten sich: „Letzte Woche war es nur ein kleines Grüppchen“, „Es scheint sich herumgesprochen zu haben“, „Ja, aber auf beiden Seiten“. Andere machten sich Gedanken, ob sie nach der Demo noch auf den Weihnachtsmarkt gehen sollten. Die Stimmung? Friedlich.

Pfefferspray und Faustschlag: Polizei muß Pegida schützen

Die Pegida-Demo verzögerte sich indessen. Warum, bekamen die 400 Gegendemonstranten am unteren Ende der Hofstraße nicht mit. Am Übergang zwischen Balthasar-Neumann-Promenade und Hofstraße hatten über 100 Gegendemonstranten den Pegida-Demonstranten den Zugang zur genehmigten Demoroute blockiert. Als die Polizei versuchte diese aufzulösen, um den Pegida-Demonstranten das Versammlungsrecht durchzusetzen, gelang es einigen Gegendemonstranten die Pegida-Anhänger einzukesseln. „Um konkret bevorstehende körperliche Attacken der Personen aus dem linken Spektrum abzuwehren, musste nach der Aussprache von Platzverweisen und mehrfacher Androhung von Pfefferspray dieses auch eingesetzt werden“, beurteilte die Polizei die Situation. Zwei Gegendemonstranten mussten ambulant behandelt werden, eine Polizeibeamtin erhielt von einem Unbekannten einen Faustschlag ins Gesicht.

„Ihr habt Angst vor Flüchtlingen in Booten, wir vor rassistischen Idioten.“

„Stoppt den Missbrauch des Asylrechts“ – 100 Teilnehmer zogen an diesem Abend unter diesem Motto dann doch noch die Hofstraße hinunter. Die Pegida-Anhänger wurden von 400 Gegendemonstranten am Ende ihrer Route erwartet. Aber schon auf ihrem Weg wurden sie mit eindeutigen Botschaften konfrontiert, die mit Kreide auf die Straße geschrieben sind: „Stell dir vor, du wärst auf der Flucht…“, „Petting statt Pegida“ und „Ihr habt Angst vor Flüchtlingen in Booten, wir vor rassistischen Idioten.“

Mit dem Näherkommen der Demo, wird es auch am Paradeplatz lauter. Es wird getrommelt, mit Konfetti geworfen, Transparente werden in die Luft gehalten. Dann stehen sich die Pegida-Anhänger und die Gegendemonstranten gegenüber. Dazwischen die Polizei. Während die Pegiada-Leute ganz still sind, legen sich die 400 Gegendemonstranten mächtig ins Zeug. „Hoch die internationale Solidarität“ und „Haut ab, haut ab“ schallt es. Es werden aber auch Parolen wie „Nie wieder Deutschland“ gerufen.

Mit Krückstock und Deutschlandfahne

Die Pegida-Anhänger schwenken unbeeindruckt ihre Deutschland-Fahnen. „Unser Land, uns’re Werte“ steht auf einem Plakat. Auf einem anderen „Jesus liebt dich“. Ein Demonstrant hat einen Schirm aufgespannt, auf dem steht „Rote SA“. Ihr Altersdurchschnitt ist höher als der der Gegendemonstranten. Auch ein älterer Herr mit Krückstock läuft mit. Fast absurd scheint es als die 100 Pegida-Demonstranten sich auf dem Paradeplatz versammeln und „Wir sind das Volk“ brüllen. Sie werden von der vierfachen Menge an Bürgern übertönt: „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!“

Schnell ist das Ganze wieder vorbei. Die Pegida-Demonstranten haben ihr Demonstrationsrecht bekommen, die Gegendemonstranten haben gezeigt, dass es in Würzburg keinen Platz für „Rassismus und Diskriminierung“ gibt. Zurück an der Residenz, steigen die Demonstranten in ihren Bus und verlassen die Stadt wieder. Einzelne machen sich zu Fuß auf den Heimweg.

Unsinnige Eskalation

So friedlich und vorbildlich wie der Abend begonnen hatte, hätte er enden können. Doch gegen acht Uhr kommt es plötzlich vor der Residenz am Rennweg zu einem Handgemenge zwischen Gegendemonstranten und der Polizei. Vorangegangen waren nach Angaben der Polizei verbale und körperliche Angriffe auf Teilnehmer der Pegida-Demo durch Anhänger, die dem „linken Spektrum“ zuzuordnen sind. Zwar schrien die vorwiegend jungen Männer, die sich alle mit Kapuze, Mütze und Schal ziemlich vermummt hatten „Wir sind friedlich, was seid ihr?“ – doch legte sich so manch einer auf die Straße oder provozierte die Beamten. 18 Angreifer konnten nach Angaben der Polizei „zur Personalienfeststellung“ vorläufig fest gehalten werden.

War das nötig?

Die Frage bleibt an diesem Abend im Raum stehen: Warum noch nach der Demo einzelne Vertreter der Gegenbewegung am Rande angehen? Warum ein schlechtes Licht auf die 400 Menschen werfen, die sich an diesem Abend in Würzburg friedlich für Menschenrechte stark gemacht haben? Verstehen können wir das nicht.

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