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Würzburger Geheimnis Nr. 31 – Das Varieté Odeon

Willi Dürrnagel über das Varieté Odeon

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Willi Dürrnagel erzählt im neuen Buch „Würzburger Geheimnisse“ über das Odeon in der Augustinerstraße. Das 31. aus insgesamt 50. Geheimnissen widmet sich dem ehemaligen Varieté in der Augustinerstraße 18 und seiner Geschichte. Die meisten von Euch kennen das Odeon heute als Odeon Lounge, wo immer noch gefeiert wird. Laut Willi Dürrnagel scheint es schon damals ein sehr buntes Programm gegeben zu haben im „Odeon“ der Vergangenheit, aber lest selbst:

Der witzigste neubarocke Erker der Stadt

Während im Huttenschen und im Platzschen Garten gelegentlich ein Varietékünstler auftrat, liefen im „Odeon“ Varietéprogramme wochenlang. Das Haus Augustinerstraße 18 war ein Neubau von 1896, nachdem die Straße, die zuvor an der engsten Stelle ganze drei Meter breit war, gehörig erweitert worden war, um die Straßenbahnlinie zweigleisig betreiben zu können.

Aus der neubarocken Fassade trat ein kräftiger Erker, der mit einer Zwiebelhaube aus Schiefer gekrönt war. Es war der witzigste neubarocke Erker der Stadt; mit flügelspreizendem Adler am zweiten Stock und der koketten Dachzwiebel, die aussah als wär´ sie, wie früher Damenroben, mit raffiniert verteiltem Fischbein ausgesteift. Sie hat vor dem Zweiten Weltkrieg, als derlei Baukapricen der Vergangenheit noch als undiskutabel geschmacklos galten, den Maler Carl Grossberg in Sommerhausen zu einem seiner besten Dächerbilder angeregt.

Unterhaltung nur bis 10 Uhr

Besitzer und Direktor war Hans Hammerbacher, ein schwerer schnauzbärtiger Mann, der nie anders als in braunen oder schwarzen Gehröcken gesichtet wurde. Den Namen Odeon hatte man von den antiken Stätten für musikalische oder deklamatorische Aufführungen entnommen, wie etwa dem „Odeion“, des Herodes Atticus in Athen.

Für Herrn Hammerbacher galt nur die leichte und unterhaltende Muse etwas, die aber nur bis zehn Uhr abends walten durfte, um die verehrten Besucher nicht um ihren Schlaf zu bringen. Damit auch Familien und ältere Herrschaften nicht um den Kunstgenuß kamen, wurde am Sonntag eine Nachmittagsvorstellung ab zwei Uhr vor die Abendvorstellung gelegt, die um sechs Uhr begann.

Buntes Programm: Gesang, Trapeztruppen, Athleten und Affen

Wie man den Ankündigungen entnehmen konnte, war das Programm recht bunt, z.B. die Liedersängerin Irma Dolozel, die sich nicht nur durch hübschen Vortrag ihrer Gesänge, sondern auch durch dezentes Auftreten und stets geschmackvolle Toilette auszeichnet. Trapeztruppen, ein Athletenpaar, Mr. Leeb mit seinen Affen usw. Die einmalige Pause wurde durch die Darstellung von Lichtbildern verkürzt, die zum Teil Ansichten von hervorragenden Bauwerken, zum Teil Reklame hiesiger Firmen, aber auch den Prinzregenten in Hubertusordensrittertracht brachte.

Die „internationalen Ringkämpfe“ im Odeon

Am 1. Mai alle Jahre begannen im Odeon die „internationalen Ringkämpfe“, die Sehnsucht jedes Buben. Aber es kostete Geld, hineinzukommen, und Geld war knapp. Also stellte man sich stundenlang vor die großen Plakate und betrachtete die Herkulesse in ihren schreiend roten und gelben Trikots, studierte haargenau die aufs Papier gebrachten Griffe ihrer Athletenarme, und für die nächsten Wochen gab´s nichts anderes als „Ringkämpferlesmach“, so in einem Bericht Maya Gaßner.

Das Lichtspielhaus „O-Li“

Krieg und Inflation setzten dem Odeon zu, da kam der Film 1923 als Retter. Das Haus wurde zum Odeon-Lichtspieltheater, kurz „O-Li“, umgebaut. Es war damals das 5. Lichtspieltheater in unserer Stadt und in den 30er Jahren das zweitgrößte Tonfilm-Theater in Würzburg. Im Juli und August 1933 wurde es vollständig modernisiert und vergrößert. Es hatte weit über 600 Sitzplätze. Das in Rot und Gold prangende Haus brannte am 16. März 1945 aus. In diesem Haus war vor dem Krieg auch die „Münchner Weißbierstube“ untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war wieder ein Kino im Gebäude, das sich umwandelte zum Tanzlokal „Odeon 2000“ und dann wieder zum Kino.

Heute ist das Odeon einer der beliebtesten Clubs in Würzburg. Mittwoch, Freitag und Samstag wird hier im tollen Ambiente gefeiert. Mehr wird jetzt aber nicht mehr verraten, alles weitere lest ihr im Buch „Würzburger Geheimnisse“ von Eva-Maria Bast und Heike Thissen. Das Buch gibt’s bei uns im WüShop.

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Übrigens: Wir haben mittlerweile viele Bücher mit Würzburg-Bezug in unserem Wü-Shop. Entweder sind es Bücher, bei denen sich alles um Würzburg dreht, oder Bücher, die von Würzburgern geschrieben wurden. Neben den “Würzburger Geheimnissen” gibt es z.B. die “Würzburger Straßennamen” oder “Würzburgs neuer Stadtteil Hubland” von Roland Flade, der bei uns schon öfters über geschichtliche Themen geschrieben hat. “Geschlechtsverkehr – Eine Einführung” handelt zwar nicht direkt von Würzburg, der Auto Christian Ritter ist aber ein waschechter Würzburger.

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