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Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

„Containern“ – Lebensmittel vor dem Verderben retten

Mindesthaltbarkeit ist nicht gleich Ungenießbarkeit

Einer unserer Fans hat uns kürzlich einen Gastbeitrag zukommen lassen, in dem er ein sehr interessantes Thema aus ihrer Sicht beleuchtet. Es geht dabei um das „Containern“, aber was dies genau bedeutet, erklärt Euch unser Fan im folgenden Beitrag:

„In Deutschland werden laut Focus jährlich etwa 11 Millionen Tonnen an Lebensmitteln als Abfall entsorgt. Jede Menge. Dabei sind die bekannten krummen Gurken nicht der Hauptanteil. Auch aus den Haushalten und dem Handel werden Lebensmittel weggeworfen. Zum Beispiel wegen dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Ein Supermarkt, welcher Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben weiter verkauft, ist gegebenenfalls dafür haftbar, wenn das Produkt tatsächlich schon verdorben ist. Dabei sind viele Produkte noch über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus haltbar! Bis zu diesem Datum wird vom Hersteller nur ein bestimmter Geschmack, Geruch und Farbe garantiert.

Doch diese Lebensmittel, sowie viele frische Produkte die eine Macke haben oder sonstige äußerliche Schäden (Kohlrabi ohne Blätter), die das Produkt an sich nicht beeinträchtigen, lassen sich nicht weiter verkaufen. Daher landen sie in den Containern der Supermärkte.

Tonnentaucher

Das haben viele Menschen, die ein geringes Einkommen und eine grundlegendere Einstellung zu Lebensmitteln haben, erkannt – und holen die Lebensmittel dort aus den Tonnen der Supermärkte wieder heraus. „Containern“ nennt sich das. Hier befinden sich die sogenannten Tonnentaucher in einer gesetzlichen Grauzone. Je nach Auslegung des Gesetzes handelt es sich um Diebstahl – oder sind es doch herrenlose Dinge, deren Besitz der Supermarkt aufgegeben hat, indem er sie weggeworfen hat?

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Der Tegut in der Zeppelinstraße war über Jahre hinweg ein gerne besuchtes Ziel für die „Containerer“. Täglich landet dort eine Vielfalt an Lebensmitteln in der Tonne, die auch die Tafel nicht mehr abholt, eben wegen dem abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatum oder ähnlichem. Nun hat der Tegut dicht gemacht und einen drei Meter hohen Zaun neben dem Getränkemarkt um die Abfälle, die an sich noch zu schade zum wegwerfen sind, aufgebaut. Die Besucher der Tonnen dort waren zahlreich – und sehr verschieden. Studenten wie Altersarme durchstöberten täglich die Container auf der Suche nach Fenchel, Bananen, Joghurt und Sonstigem, welches dann auch fair untereinander geteilt wurde.

Gut gefüllte Tonnen

Darunter waren auch Menschen, die sich nicht der Wegwerfgesellschaft anschließen wollten und daher Lebensmittel containerten. Auch konnten sich einige einfach keine Lebensmittel von Tegut leisten. Denn hier fällt das gute Image der Kette negativ auf sie zurück. Für die Qualität bei Tegut zahlt man auch einiges – und erwartet dafür einwandfreie Ware. Einwandfrei in dem Fall nicht als „in essbarem, leckerem Zustand“ sondern als „ohne äußere Schäden und auch sonst in Top-Zustand“. Braune Flecken auf Bananen zählen nicht dazu. Schäden an der Schale oder sonstigen nicht verzehrbaren Dingen ebenfalls. Entsprechend gut waren die Tonnen dort täglich gefüllt.

Foodsharing – Lebensmittel teilen

Schade, dass sich der Tegut dagegen entschlossen hat, die Container frei zugänglich zu lassen. Denn für eine Kette wie Tegut kommt die geniale Initiative „Foodsharing“ nicht in Frage. Tegut hat auf Bundesebene erklärt, nicht mit Foodsharing zu kooperieren. Weswegen Foodsharing kleine Läden für ihre Kooperationen suchen muss. Dies ist jedoch auch in Würzburg erfolgreich.

Wer von Foodsharing noch nichts gehört hat, dem sei es aufs Wärmste ans Herz gelegt. Unter dieser Initiative haben sich unterschiedlichste Menschen zusammengeschlossen, welche die Menge der weggeworfenen Lebensmittelprodukte verringern möchten. Foodsharing besteht aus zwei Bereichen. Zum einen gibt es eine Plattform für Lebensmittel, die privat weiter gegeben werden. Wer sich eine Schokolade gekauft hat, die nicht schmeckt, von der Party oder Feier etwas übrig hat, kann dies als „Essenskorb“ eintragen. Dann kann ein anderer, der Interesse an den Sachen hat ihn anschreiben und die Lebensmittel abholen. Alles kostenlos!

Dabei sollte man sich vor Augen führen, dass über die Hälfte der 11 Millionen Tonnen Lebensmittel, welche in Deutschland jährlich im Müll landen, von den Haushalten weggeworfen werden. Und oft nicht einmal weil sie verdorben sind, sondern aus anderen Gründen. Und genau an dieser Stelle setzt Foodsharing an und schafft Möglichkeiten, diesen Wertverfall zu stoppen.

Foodsaving – Lebensmittel retten

Der zweite Bereich von Foodsharing bezieht sich auf die Arbeit der sogenannten Foodsaver. Diese fragen vor Ort bei Lebensmittelmärkten nach, ob sie Ware, die nicht mehr verkauft werden kann, abholen können. In Würzburg gibt es beispielsweise schon zwei Marktstände, die ihre nicht verkäuflichen Lebensmittel abgeben, anstelle sie wegzuwerfen. Diese geretteten Lebensmittel werden dann weiter verteilt.

Bei dieser genialen Initiative kann jeder mitmachen und sich so auch als vermeintlich kleiner Bürger sozial engagieren. Und neben dem Beitrag für die Umwelt ist es auch noch eine tolle Möglichkeit, seinen Geldbeutel zu schonen.“

Ein Gastbeitrag von Anonym

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