Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Sensible Dokumentation: Fluchtatlas von Studentinnen der FHWS

Fotos, Texte und Grafiken zu Einzelschicksalen

„Der Fluchtatlas steht nicht für den freien Menschen. Er steht für die Menschen, die gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen.“ Drei Studentinnen der Fakultät Gestaltung an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS) haben in ihrem 120 Seiten umfassenden „Fluchtatlas – Gefangen in der Freiheit“ Fotos, Texte und Grafiken zusammengestellt. Sie dokumentieren in aussagekräftigen Bildern, klaren Zahlen und Fakten sowie Einblicken in Einzelschicksale die Ergebnisse ihrer zahlreichen Gespräche in einer Gemeinschaftsunterkunft (GU) sowie ihrer umfangreichen Recherchen.

Ausführliche Gespräche mit Flüchtlingen

Eingebettet in einen einleitenden Prolog sowie einen abschließenden Epilog zeigt der Atlas in den Abschnitten „Heimat“, „Flucht“ und „Schutz“ Hintergründe auf zu den Fragen: „Was bewegt diese Menschen, ihre Heimat zu verlassen?“ und „Wie verläuft ihr weiterer Weg?“. Die Studentinnen Laura Markert, Yvonne Moser sowie Lilli Scheuerlein haben mehrfach die Gemeinschaftsunterkunft aufgesucht, sich ausführlich Zeit für Gespräche mit Flüchtlingen sowie Ansprechpartnern genommen, Aufnahmen gemacht und sie gestalterisch bearbeitet.

Durch ungesehene Darstellung Aufmerksamkeit des Betrachters steigern

Entstanden ist die Idee zum Fluchtatlas im Rahmen des Sommersemester-Projektes „Visual Translation“ mit Professor Christoph Barth im 4. Semester: „Uns leitet die Frage, wie wir durch eine hochspezifische und ungesehene Darstellung von Inhalten die Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit des Betrachters deutlich steigern können. Und – ob wir Gestalter die Rolle als `visueller Übersetzer` glaubwürdig einnehmen können.“

Nähe und Distanz in Variation

Der Fluchtatlas variiert mit Nähe und Distanz: Er listet sachlich auf, mit welchen Nöten und Hindernissen Flüchtlinge sich auf ihrer Flucht konfrontiert sehen wie z.B. Hunger und Durst, Außentemperaturen, Schlepper und die Grenzpolizei, Organhändler oder Diebstahl und verortet diese im europäischen und Mittelmeer-Raum. Parallel zeigen die Studentinnen in ihrer Präsentation die Brutalität auf, denen Menschen hilflos ausgeliefert waren.

Keinen Rückzugsort, keine Arbeit

Die Studentinnen belassen ihre Dokumentation nicht mit dem Ende der Flucht und der Ankunft: „Nach der Flucht haben sie das Schlimmste überstanden – könnte man meinen. Wenn sie es wirklich geschafft haben, ein Land wie Deutschland zu erreichen, können sie nur noch hoffen, nicht direkt wieder abgeschoben zu werden. Meistens werden sie an der Grenze oder von Polizeibeamten aufgegriffen. In Flüchtlingsauffanglagern können sie einen Antrag auf Asyl stellen. Dann werden sie auf die Gemeinschaftsunterkünfte im jeweiligen Bundesland verteilt. Wenn das Asylverfahren erst mal läuft, heißt es warten. Warten und nichts tun. Mit anderen Fremden, die ihr Schicksal teilen, wohnen sie auf engstem Raum zusammen, haben keinen Rückzugsort. Arbeiten dürfen sie auch nicht. Sie geben einen Überblick, keine Lösung – ihr Ziel ist es, Vorurteilen zu begegnen und Empathie zu schaffen. „Einige Kinder werden hier geboren. Wann sie die Unterkunft verlassen, steht in den Sternen. Manche verbringen ihre komplette Kindheit dort.“

Pressemitteilung der FHWS

- ANZEIGE -