Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Mainfranken Theater: große Erfolge und großes Defizit

8.5 Millionen Euro städtischer Zuschuss

Knapp 17.5 Millionen Euro kostet das Mainfranken Theater jährlich. Der Zuschuss der Stadt Würzburg beträgt in der nächsten Saison rund 8.5 Millionen Euro an Steuergeldern. Das ist fast viermal so viel, wie die Umsatzerlöse der Spielstätte. Zudem wird die Zuschusssumme der Stadt jährlich um weitere 200.000 Euro ansteigen. Was ist uns Kultur wert? Wir sind für Euch zur Pressekonferenz gegangen und haben zugehört:

„Zahlen, die Freude machen“

„Zahlen, die Freude machen“ – so leitete der Geschäftsführer des Mainfranken Theaters, Dirk Terwey, seine Ausführungen zum Theater in der Pressekonferenz von Oberbürgermeister Christian Schuchardt ein. Denn er hatte erfreuliche Nachrichten zu verkünden: In der letzten Spielzeit kamen 15.339 Besucher mehr ins Theater als in der Saison davor. Das entspricht einem Anstieg der Besucherzahlen von 13,5 Prozent auf insgesamt 129.311 Besucher. Davon waren 23.146 Schüler, die mit ihren Lehrern die Vorstellungen besuchen (mussten).

Mehr Einnahmen durch gestiegene Besucherzahlen

Mehr Besucher, bedeuteten auch mehr Einnahmen für die Spielstätte. So konnten auch die Umsatzerlöse um rund 15 Prozent auf 2.158.000 Euro gesteigert werden. „Wir hatten eine sehr erfolgreiche Spielzeit“, freute sich Dirk Terwey über diese Erfolgsbilanz. Weder er noch Intendant Hermann Schneider konnten auf Bundesebene ein Haus nennen, das ähnliche Ergebnisse vorweisen kann.

Terwey warnte jedoch vor Euphorie: „Solch ein Ergebnis erzielt man nicht alle Jahre, aber es ist eine gute Ausgangsbasis.“ Zudem konnte das Theater Geld sparen. Durch eine sparsame Mittelbewirtschaftung kombiniert mit reduzierten Personalkosten (in allen Bereichen wurden Stellen nicht nachbesetzt) konnten so 621.000 Euro eingespart werden, erklärte der Geschäftsführer. Zudem konnte das Wirtschaftsjahr 2013/14 mit einem positiven Ergebnis von 132.000 Euro abgeschlossen werden. „Das war der Erfolg eines Spielplanes und der harten Arbeit der Mitarbeiter vor und hinter der Bühne“, sagte Terwey.

Gesellschaftliche Themen auf die Bühne gebracht

Seinem künstlerischen Anspruch gerecht, wurde das Theater laut Intendant Hermann Schneider trotzdem. Im Zentrum der Stücke standen weiterhin gesellschaftlich relevante Themen: es ging um „Machtspiele im immer stärker grassierenden Kapitalismus“. Auch wurde beim Spielplan stärker auf die Literarisierung von Stoffen sowie auf klassische Werke gesetzt. „Der Geizige“ oder „Die Buddenbrooks“ wurden gut angenommen. Das Konzept gesellschaftlich wichtige Themen aufzugreifen, will Schneider fortführen. Der neue Spielplan wird traditionell im Februar vorgestellt.

Neben der inhaltlichen steht auch schon die wirtschaftliche Planung für die neue Spielzeit fest. So ist geplant, dass die Umsatzerlöse von 2.158.351 auf 2.225.000 Euro steigen werden. Sinkende Abozahlen sollen vor allem durch höhere Erlöse aus dem Freiverkauf aufgefangen werden. „Flexiblere Formen“ seien erfolgreicher so Terwey. Er hofft auch in der nächsten Spielzeit mehr Menschen ins Theater locken zu können.

Großteil der Erträge stammt aus Zuschüssen 

Von den geplanten Gesamterträgen 2015/16 von 17.468.333 Euro kommt jedoch ein Großteil durch Zuschüsse an das Mainfranken Theater zustande. Alleine der Zuschuss der Stadt Würzburg beträgt in der nächsten Saison 8.533.333 Euro. Das ist fast viermal so viel, wie die Umsatzerlöse der Spielstätte. Zudem wird die Summe der Stadt jährlich um 200.000 Euro weiter ansteigen. „Das schafft Planungssicherheit“, erklärte der Geschäftsführer. Weitere jährliche Zuschüsse erhält das Theater auch vom Freistaat Bayern (5.500.000 Euro) und vom Bezirk Unterfranken (200.000 Euro). Dazu kommen Gelder aus der Theaterstiftung und Spenden. Alle Zuschüsse seien „unverzichtbar für den Spielbetrieb“, sagte Terwey.

Insgesamt arbeiten etwa 250 Menschen im Mainfranken Theater. Deshalb sind auch rund 80 Prozent der Gesamtkosten von 17.552.333 Euro in der nächsten Spielzeit Personalkosten. „Die können wir über die Einnahmen kaum erwirtschaften“, erklärt Dirk Terwey.

Alles wird im Theater selbst produziert

„Die können wir über die Einnahmen kaum erwirtschaften“, sagt Terwey. Die Leiterin der Kommunikation des Theaters, Daniela Bell, erklärt die Mitarbeiterzahlen: „Wir produzieren hier alles selbst – egal ob Bühnenbild, Stuhl oder Kostüm.“ Im Mainfranken Theater gibt es mit eigener Schlosserei, Schreinerei und einem Malersaal die kompletten Produktionsstätten.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt würdigte die „enorme Kraftanstrengung“, die das Theater hinter sich hat und freute sich über die positive Besucher- und damit verbundene Umsatzentwicklung in Würzburg.

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