Würzburg - Foto: Pascal Höfig
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NFZ Unterfranken: Mädchen genauso fördern wie Jungen

Nachwuchsförderzentrum fördert talentierte Mädchen

Geht es um die Förderung von Nachwuchstalenten im Fußball, sind in Bayern Mädchen benachteiligt. Das beklagt das Nachwuchsförderzentrum, ein Projekt des unterfränkischen Mädchenfußballs in Kooperation mit dem Sportzentrum und der Bildungsforschung der Universität Würzburg. Vor wenigen Monaten, im Mai 2014, haben fünf Vereine aus Stadt und Landkreis gemeinsam mit dem Sportzentrum und der Bildungsforschung der Universität Würzburg das Nachwuchsförderzentrum (NFZ) Unterfranken ins Leben gerufen. Talentierte Mädchen, die gerne Fußball spielen, werden dort gezielt gefördert, um so den besonderen Anforderungen im Leistungsfußball der Mädchen und Frauen besser gerecht zu werden.

Fall von offensichtlicher Chancenungleichheit

Wer nun meint, dass es im Fußball genug Förderinstrumente gibt, die Mädchen genauso wie Jungen offen stehen, täuscht sich möglicherweise. „Besteht Chancengleichheit in der Talentförderung?“, fragt das NFZ in einer aktuellen Pressemitteilung und gibt auch gleich die Antwort, indem es von einer „offensichtlichen Chancenungleichheit“ schreibt.

427 Nachwuchstalente, 2,6% Mädchen

Hintergrund dieser Klage ist das Ergebnis der bayernweiten Talentsichtung des Bayerischen Fußballverbands BFV für junge Spielerinnen und Spieler des Jahrgangs 2004 im vergangenen Juli. „Für die Förderung an den 15 nordbayerischen Stützpunkten wurden lediglich elf Mädchen zugelassen. Das entspricht bei insgesamt 427 angenommenen Nachwuchstalenten einem Mädchenanteil von knapp 2,6 Prozent“, schildert Professor Heinz Reinders das Ergebnis dieser Sichtung. Reinders ist Inhaber des Lehrstuhls Empirische Bildungsforschung der Universität und hat gemeinsam mit dem Sportwissenschaftler Dr. Olaf Hoos die wissenschaftliche Leitung des NFZ inne.

Zu wenig Mädchen in der Talentförderung

2,6 Prozent: Das ist nach Ansicht der NFZ-Mitglieder ein erschreckend niedriger Anteil. Schließlich hatte Reinders im Jahr 2013 in einer Studie, die er in Kooperation mit dem Bayerischen Fußballverband durchgeführt hatte, nachgewiesen, dass rund 16 Prozent der Nachwuchsspieler Mädchen sind. „Unter der Annahme, dass das Fußballtalent von Mädchen und Jungen prozentual gleich verteilt ist, sollten also sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen auf sechs durchschnittlich begabte Kicker ein talentierter Nachwuchs kommen“, rechnet Reinders vor. Tatsächlich liegt das Verhältnis für Mädchen in Nordbayern bei 1 zu 38.

Förderung regional abhängig

Zusätzlich haben die Wissenschaftler deutliche regionale Unterschiede bei der Aufnahme von Mädchen in die Talentförderung festgestellt. Während zehn der 15 Standorte in Nordbayern kein einziges Mädchen aufgenommen haben, gibt es beispielsweise im unterfränkischen Steinfeld vier Mädchen und in Kulmbach drei. Der Deutsche Fußballbund sieht das bisherige System der Talentförderung mit der gemeinsamen Förderung von Jungen und Mädchen als bewährt an und möchte dieses in absehbarer Zukunft beibehalten, heißt es in der Presseerklärung des NFZ. Für Reinders bedeutet dies: Damit werden zumindest in Bayern weniger Mädchen für die Talentförderung erreicht als dies möglich wäre.

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