Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

„Ersti-Krise“ – oder wie ich meinen Verstand ausschaltete, um Student zu werden

Campus-Katze Lisa berichtet

Am 6. Oktober beginnt das Wintersemester an der Uni Würzburg – und über 4.000 neue Studis müssen sich ersteinmal zurechtfinden. Unsere Campus-Katze Lisa beäugt das Semester die nächsten Monate für uns. Sie hat schon einige Semester auf dem Buckel und kennt sich aus. Hier ihr erster Artikel:

Wieder zurück zu Mutti?

Als Studienanfänger hat man es nicht immer leicht. Vor allem dann nicht, wenn die Hochschule dir rätselhafte Online-Plattformen vorsetzt, die dir alles ausspucken, nur nicht das, wonach du gesucht hast. Und du weißt eigentlich gar nicht, was du suchst. Denn diese Information behält die Webseite ebenfalls für sich. Sobald du das alles realisiert hast, nämlich, dass du wieder zurück zu Mutti ziehen musst, weil du dir unter diesen Umständen das Studium getrost abschminken kannst, fängst du langsam an durchzudrehen. Das ist der Moment, den auch ich erlebt habe. Das ist der Moment, in dem du die Wahl hast…

Ich kam, ich sah, ich war verwirrt. So oder so ähnlich würden derzeit wohl viele Erstsemester (von höheren Semestern liebevoll „Erstis“ genannt) ihre erste Begegnung mit dem Universitätsleben beschreiben. Ein heilloses Chaos aus Einführungsveranstaltungen, Vorlesungsverzeichnis und Stundenplan-Erstellen. Als wäre es nicht schon Zumutung genug, im neuen Studienort Würzburg eine Bleibe zu finden, werden die Neuankömmlinge auch gleich noch vom großen Mysterium SB@Home erschlagen.

Ersti trifft SB@Home

Als ich zum ersten Mal von dieser „Selbstbedienung für Studierende und Beschäftigte“ gehört habe, war ich sicher ziemlich verwirrt und bestimmt erlitt ich auch einen kleinen Nervenzusammenbruch, weil ich da schon wieder eine Lawine von Informationen auf mich zurollen sah, die ich so schnell nicht verarbeiten konnte. Mein 20-Jähriges Ich hätte sich am liebsten sofort unter die Zudecke verkrochen, in der neuen, beengenden Würzburger Wohnung, die sich noch so gar nicht nach Zuhause anfühlen wollte.

Die Panikattacke

Nun ist es schon vier Jahre her, dass ich diese Plattform kennenlernen durfte. In einem Punkt bin ich mir aber sehr sicher: Das Ganze war für mich ein Buch mit sieben Siegeln, ein schwarzes Loch, in dem sämtliche Informationen zu verschwinden schienen und für einen durchschnittlich intelligenten Studenten einfach nie wieder auffindbar waren. Deshalb reagierte ich so, wie viele Menschen es tun, die dem totalen Wahnsinn zu entkommen versuchen – ich schwenkte die weiße Fahne und ergab mich, um nicht durchzudrehen. Man muss seinem Geist auch mal den Druck nehmen. Ich dachte mir, „scheiß drauf, das kriegst du nun eh nicht alles auf einmal gebacken“, und nahm es mit Humor.

Ersti-Tage

Ich fand mich an den Einführungstagen in Hörsälen mit gefühlten 1000 Menschen wieder, die alle keinen Plan hatten und setzte mich mit einer Freundin und vielen anderen Glücklosen auf die Treppenstufen des Saales, da alle Sitzplätze belegt waren.

Wir hörten zwar, was die Dozentin sagte, verstanden aber kein Wort davon. Die Modulbeschreibungen, die sie uns so sehr ans Herz legte, als hinge unser Leben davon ab, habe ich bis heute nicht ein einziges Mal angeschaut. Und habe es trotzdem geschafft, alles zu belegen, was ich für meinen Bachelor brauche. Es sei denn, SB@Home überlegt es sich doch noch mal anders und löscht all meine Daten, sodass ich wieder am Anfang stehe.

Ein gut gemeinter Rat

Liebe Erstis, falls ihr schon soweit hier in Würzburg angekommen seid, dass ihr diese Seite entdeckt habt und nun diesen Post lest, möchte ich euch einen kleinen Rat geben. Damit will ich euch aber auf keinen Fall herabsetzen oder eure Intelligenz beleidigen – obwohl ich nun schon ein bisschen mehr weiß wovon ich spreche ;-). Seht die erste Zeit eures Studiums nicht so eng, werdet Mitglied in sämtlichen Facebook-Gruppen (da sind oft echt Leute drin, die sich mit Unikram auskennen) und geht lieber mit neuen Freunden feiern, als in der WG Trübsal zu blasen, weil ihr nicht wisst, was ihr belegen sollt. Viele Studiengänge haben auch nette Tutoren, die mit euch zusammen die Stundenpläne erstellen (bei mir gab’s sowas leider nicht).

Kommt Zeit, kommt Rat – das ist meine Devise für einen nahezu stressfreien Studienbeginn. Eure Campus-Katze Lisa.

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