Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Bischof Friedhelm Hofmann seit 10 Jahren im Amt

„Die Franken sind herzliche Menschen“

Dr. Friedhelm Hofmann (72) ist seit zehn Jahren Bischof von Würzburg. Am 19. September 2004 wurde er im Kiliansdom feierlich als 88. Bischof von Würzburg eingeführt. Am 25. Juni 2004 hatte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof des Kiliansbistums ernannt. Zuvor wirkte der 1942 in Köln geborene Hofmann nach seiner Priesterweihe am 3. Februar 1969 über 35 Jahre als Priester und später als Weihbischof in der Bischofsstadt am Rhein. Im folgenden Interview, spricht er über sein Jahrzehnt in Franken. „Ich bin heute mit Freude in Würzburg“, sagt Bischof Hofmann.

Interview mit Dr. Friedhelm Hofmann

Herr Bischof, seit zehn Jahren sind Sie in Würzburg: Fühlen Sie sich wohl und aufgehoben in Franken?

Friedhelm Hofmann: Das kann ich mit großer Bestimmtheit sagen. Als ich meinen 65. Geburtstag gefeiert habe, kamen Winzer und brachten mir neun Rebstöcke, die in meinem Garten eingepflanzt wurden. Als ich nach dem Grund fragte, sagten die Winzer: „Damit Sie sich bei uns einwurzeln.“ Ich bin heute mit Freude in Würzburg und hoffe, meinen Lebensabend hier verbringen zu können.

Wie erleben Sie die Franken?

FH: Die Franken sind herzliche Menschen. Sie tragen das Herz nicht unbedingt auf der Zunge, aber sie sind nachhaltig, sie sind verlässlich. Ich fühle mich dieser Mentalität verbunden.

Haben Sie etwas von den Franken angenommen?

FH: Ja. Wenn ich ins Rheinland komme, fällt mir auf, dass sehr viel geredet und gestikuliert wird. Ich glaube, dass ich schon etwas gelernt habe, mich da ein wenig zurückzunehmen.

Wo sind Ihnen die Franken fremd geblieben?

FH: Das ist keine leichte Frage. Es fällt mir auf, dass am persönlichen Leben – zumindest ist das mein Eindruck – nur sehr zurückhaltend Anteil genommen wird. Ich habe mal meinen langjährigen Fahrer Otto Baumann gefragt, wieso man kaum Anteil nehme. Da hat er gesagt: „Daran müssen Sie sich gewöhnen, Herr Bischof: Nichts gesagt, ist genug gelobt!“

Was gefällt Ihnen besonders am Bistum Würzburg?

FH: Zunächst die Menschen in Franken, dann die wunderbaren Landschaften, die Weinberge und das große historische kunstvolle Erbe des Bistums. Das begeistert mich immer wieder.

Welche Höhepunkte kommen in Erinnerung, wenn Sie auf Ihre Zeit als Bischof von Würzburg zurückblicken?

FH: Zum einen die jährliche Kiliani-Wallfahrtswoche mit ihren vielfältigen Angeboten. Dann die gemeinsamen Familienwallfahrten nach Lourdes und Assisi, aber auch die großen Ministrantenwallfahrten nach Rom. Besonders beeindruckt hat mich die Seligsprechungsfeier für den Märtyrerpriester Georg Häfner, ebenso die Wiedereröffnung des Kiliansdoms nach der langen Renovierungszeit. Froh bin ich außerdem, dass wir in den vergangenen Jahren die Pfarreiengemeinschaften errichten konnten und so der Seelsorge vor Ort eine zukunftsfähige Struktur gegeben haben.

Sie sind oft im Bistum Würzburg unterwegs. Wie ist Ihr Einblick in die Situation der Gemeinden vor Ort?

FH: Mir liegt sehr daran, dass ich die Menschen in den Gemeinden treffe und als Seelsorger die Nöte und Freuden der Menschen wahrnehme. Die Visitationen haben Nähe und Verstehen geschaffen. Ich erlebe eine lebendige Kirche vor Ort, in der sich viele Menschen engagieren – junge und alte. Das macht mir sehr viel Mut. Bei allen Turbulenzen: Die Kirche lebt vor Ort.

Wie erleben Sie die Katholiken in Mainfranken? Gibt es eine besondere Art, katholisch zu sein?

FH: Es ist eine spezielle Art, katholisch zu sein. Sie ist nicht spektakulär und laut. Sie legt im Verborgenen eine gewisse Treue an den Tag. Es gibt Teile der Volkskirche, die vor allem auf dem Land eine Gemeinschaft schaffen, die trägt.

Gab es auch Enttäuschungen?

FH: Ja, das muss ich unumwunden sagen. Wenn ich erlebe, dass positive Meldungen gleich danach ausgehebelt werden. Warum lässt man gute Entwicklungen nicht weiter wachsen? Das setzt einem schon zu.

Wie würden Sie Ihre bisherigen fränkischen Jahre im Gesamt beschreiben?

FH: Sie gehören mit zu den schönsten in meinem Leben. Ich bin sehr, sehr dankbar, dass mich Papst Johannes Paul II. nach Würzburg gerufen hat. Die Jahre in Franken sehe ich als eine Bereicherung. Allen Menschen hier, mit denen ich zusammenarbeite, bin ich sehr dankbar für die große Geschwisterlichkeit und Gemeinschaft. Dank sagen darf ich auch allen, die in der Seelsorge tätig sind. Miteinander bauen wir das Volk Gottes auf.

An welchem Ort sind Sie in Franken am liebsten?

FH: Das darf ich wohl unumwunden sagen: in Würzburg. Ich liebe aber auch die beiden anderen großen Städte Aschaffenburg und Schweinfurt. Sie bringen aus ihren Möglichkeiten heraus auch das ganze kulturelle Erbe zum Glänzen. Sie sind Anlaufstellen für die Menschen heute, an denen die Seele auftanken kann.

Und Ihre Lieblingskirche?

FH: Das ist unser Dom. Der Kiliansdom in Würzburg ist eine Wegkirche, die durch die Zeit hindurch alle Verwundungen und Verletzungen, aber auch alle Neuanfänge dokumentiert. Ich fühle mich im Dom in einem sehr durchbeteten Raum, in dem auch die Häupter der Frankenapostel aufbewahrt werden. Von daher darf ich schon sagen: Der Kiliansdom ist meine Lieblingskirche.

Was schätzen Sie besonders an der Region?

FH: Dass sie bodenständig ist. Die Menschen haben noch einen inneren Bezug zur Landschaft. Sie sind nicht abgehoben und sind bereit, das Erbe ihrer Vorfahren wertzuschätzen und zu pflegen. Darüber hinaus bleiben sie nicht beim Kirchturmdenken stehen, sondern richten auch den Blick in die Weltkirche: Davon zeugen unsere Partnerschaften mit Mbinga in Tansania und Óbidos in Brasilien. Eine wirkliche Offenheit ist zu spüren.

Wein oder Kölsch?

FH: Als ich nach einiger Zeit in Würzburg gefragt wurde, ob ich mich eingelebt hätte, habe ich geantwortet: Ich bin von Bier auf Wein umgestiegen. Ein frischgezapftes Glas Kölsch schmeckt mir auch heute noch sehr. Insgesamt bin ich aber auf den köstlichen Wein umgestiegen. Die Frankenweine gehören mit zu den besten. Der Silvaner schmeckt mir besonders gut.

Dreikönige oder Frankenapostel?

FH: Ich habe die drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar aus dem Kölner Dom gegen die Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan eingetauscht. Ich denke, dass diese Heiligen sich in einer sehr mitbrüderlichen Weise verstehen. Es freut mich, die Anbetung der heiligen drei Könige im Langhaus des Würzburger Doms stets vor Augen zu haben.

Main oder Rhein?

FH: Der Main ist etwas schmäler und durch viele Staustufen etwas gemächlicher. Aber der Rhein wäre nicht der Rhein ohne den Main, denn dieser fließt in den Rhein.

Ihr Wunsch für die kommenden Jahre in Franken?

FH: Ich möchte in den kommenden Jahren noch einige Schwerpunkte setzen. Nachdem das neue Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“ jetzt eingeführt ist, bleibt Zeit, um mich auch etwas mehr der Kunst zuzuwenden. Nach meiner Emeritierung hoffe ich, dass ich hier einen Ort finden werde, an dem ich bleiben kann und die Menschen mich weiterhin annehmen.

 

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