Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Verbraucherzentrale in der Domstraße

Beratung im Dienste des Bürgers

Die Verbraucherzentralen sind Vereine, die Konsumenten in vielen Lebenslagen beratend zur Seite stehen. In den Medien sind sie oft vertreten, wenn sie wieder einmal eine Sammelklage gegen ein großen Mobilfunkbetreiber anführen oder einen Präzedenzfall im Bereich irreführender Werbung schaffen. Die Verbraucherzentrale Bayern e. V. betreibt in der Würzburger Domstraße eine Beratungsstelle, bei der sich interessierte Bürger über ein breit gefächertes Spektrum an Themen gegen Gebühr beraten lassen können. Angefangen bei der Altersvorsorge über Energie- bis hin zur Rechtsberatung. Neben Anwälten sind sie somit die einzige andere, gesetzlich zugelassene Organisation im Fachbereich der Rechtshilfe.

Von Bund und Land gefördert

Die 16 deutschen Verbraucherzentralen sind zusammen mit weiteren Verbänden unter dem Dach des Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv) mit Sitz in Berlin organisiert. Sie werden von Bund und Land gefördert und bieten zusätzlich zu ihrer Beratungstätigkeit weitere Services wie ein Portal zum Thema Lebensmittelsicherheit an und geben Studien in Auftrag. Sie verlegen neben Infobroschüren auch diverse eigene Ratgeber in Buchform, die sowohl in der Beratungsstelle selbst, als auch über den Buchhandel erworben werden können.

Zwei Frauen an der Beratungsfront

In der Würzburger Beratungsstelle arbeiten Frau Klein und Frau Rzehak, die sich unseren Fragen über ihre Arbeit, ihre Kunden, die Themenvielfalt und ihren Alltag an der Beratungsfront gestellt haben.

Würzburg erleben (We): Zu welchen Themen haben sie denn gestern Kunden beraten. Können Sie uns zwei Beispiele nennen, ohne zu konkret zu werden?

Klein (K): Eine Dame hat sich zum Thema Pflegeversicherung beraten lassen. Sie wollte wissen, ob eine Pflegetagegeld-Versicherung das richtige für Sie ist. Ein anderer Fall handelte von einer Anzeige für eine Partnervermittlung in einer lokalen Tageszeitung. Die Dame war unzufrieden und wollte zurücktreten, hatte aber leider bereits mehrere tausend Euro angezahlt.

We: Das Themenspektrum Ihrer Beratungsleistungen ist sehr breit. Wie sind sie als Verbraucherzentrale, aber auch sie persönlich in der Lage, in allen Bereichen gut Bescheid zu wissen?

K: Wir haben intern im Hintergrund viele Ansprechpartner, auf welche wir zurückgreifen können. Wir werden überregional in Themenbereichen wie Geldanlage, Versicherungs- und vor allem Vertragsrecht geschult und haben Juristen in München, welche uns mit Rat und Tat zur Seite stehen. Viele Anliegen wiederholen sich allerdings auch. Mängelrügen, Kaufverträge und überhöhte Rechnungen -über diese Fälle wissen wir dann schon bescheid.

We: Welche Menschen kommen zu Ihnen? Kommen diese Menschen erst zu Ihnen, wenn sie schon am Verzweifeln sind?

K: Dass sind ältere, aber auch sehr viele junge Menschen, bunt gemischt also. Von Studenten bis zum Arzt. Nicht alle sind bereits am Verzweifeln. Viele wollen vor einem Kauf oder einem Vertragsabschluss eine Beratung. Aber es gibt natürlich auch Kunden, die sich haben überrumpeln lassen und kommen mit einer „Ich habe da was angestellt“-Attitüde zu uns und suchen Hilfe.

We: Läuft das ähnlich wie heute beim Arzt? Dass Ihr Patient, also Ihr Kunde, schon mit einer selbst gestellten Diagnose aus dem Internet zu Ihnen kommt?

K: Ja, auch so etwas kommt vor. Es ist allerdings immer Vorsicht geboten bei solchen selbst recherchierten Information, wenn man nicht weiß, von wem diese stammen. Ein Kollege in München hatte einen Fall, bei welchem ein Kunde ein Abmahnschreiben bewusst ignoriert hat, weil ihm ein unbekannter dazu geraten hatte. Es gibt Fälle, in welchen in Foren bewusst falsche Informationen gestreut werden, um die Menschen hinters Licht zu führen. Ich weiß von einem Fall wo ein Gerichtsurteil des OLG Frankfurt zitiert wurde, obwohl es ein solches Urteil überhaupt nicht gibt.

We: Was kostet eine Beratung bei Ihnen? Gibt es Pauschalen oder wird nach Aufwand abgerechnet?

K: Im Bereich Verbraucher- und Vertragsrecht sowie zu Versicherungen kostet eine Beratung von rund 30 Minuten 15 Euro. Eine Energieberatung für das Eigenheim kostet bei uns im Büro für eine Dreiviertelstunde nur 7,50 Euro, da diese noch zusätzlich gefördert wird. Wenn Sie zum Beispiel einen Energieberater bei Ihnen zu Hause einen Gebäude- oder Brennwert-Check durchführen lassen, kostet dass zwischen 20 und 30 Euro. Beim Thema Altersvorsorge und Geldanlage kostet eine Angebotsprüfung 30 Euro und eine umfassende Beratung beim Experten bei einer Dauer von  90 Minuten 90 Euro.

Service-Tipp

We: Haben Sie grundlegenden Tipps, die von uns allen beachtet werden sollten?

K: Es soll nicht banal klingen, aber es sind die grundlegendsten Dinge, die oft vergessen werden. Lassen Sie ich bei Vertragsabschlüssen nicht unter Druck setzen und lassen Sie sich alles, was mündlich besprochen wird, auch in diesen Vertrag hinzufügen. Wenn Ihnen ein Vertragspartner den Vertrag nicht zur Prüfung zur Verfügung stellen will, sehen Sie von dem Geschäft ab. Wenn sie eine Kündigung oder einen Wiederruf senden, tuen Sie dies per Einschreiben. Eine E-Mail ist in diesem Fall nicht rechtssicher. Selbst wenn viele Firmen dies trotzdem akzeptieren, sind Sie selbst in der Beweislast.

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