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Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Blutige Proteste: Würzburger Studenten berichten aus Venezuela

Vor einigen Wochen haben tausende Studenten in verschiedenen Städten des inneren Landes in Venezuela die Straßen vor ihren Unis eingenommen: Als Protest gegen die allgegenwärtige Gewalt, die selbst auf dem Campus der Universitäten, aber auch sonst überall in einem der gefährlichsten Ländern weltweit, das Leben der Studenten bedroht und oft kostet.

Im Bundesland Táchira wurde eine Studentin auf dem Campus vergewaltigt. Die Reaktionen der Studenten, die Straßen blockierten und Reifen anzündeten, wurden von den Ordnungskräften aufgelöst und dabei mehrere Studenten festgenommen. Das war der Startpunkt des fortlaufenden Chaos in den meisten Groß- und mittelgroßen Städten des Landes.

Nach Festnahme landesweite Proteste

Als nach mehreren Tagen Isolation und Unwissenheit bekannt wurde, dass die Studenten nach Coro, einem der gefährlichsten Gefängnisse der Welt in einem anderen Bundesland, transportiert und als Terroristen angeklagt wurden, gingen landesweit die Studenten auf die Straßen um ihre Freilassung zu verlangen.

Erste tote Studenten

Eine große Demo war für Mittwoch, den 12. Februar geplant. Ziel: die Staatsanwaltschaft im traditionell pro-Regierung Stadtzentrum. Der bisher friedlich verlaufende Protest entwickelte sich rasch zu Krawallen, die mit der Erschießung von zwei Studenten und eines Regierungsaktivisten endeten. Mindestens 40 weitere erlitten Schusswunden und über 125 wurden landesweit festgenommen, viele von ihnen Berichten zufolge von den Sicherheitskräften stundenlang gefoltert.

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Weitere Studenten sterben

Nur einen Tag später, dem nationalen Jugend-Tag Venezuelas, versammelten sich tausende Studenten in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, um gegen die steigende Kriminalität, soziale Unsicherheit und Ungerechtigkeit durch die sozialistische Regierung des Präsidenten Nicolas Maduro zu protestieren. Unter Beteiligung der politischen Opposition unter Führung Leopoldo Lopez marschierten sie in Richtung des Innenministerium, vor dem die Demonstranten mit Bannern, Postern und Slogan ihrer Meinung Ausdruck verliehen und für die Entlassung zweier zuvor verhafteter Studenten warben.

Nach Beendigung des friedlichen Protests und dem Beginn des Abzugs der Demonstranten, errichtete die Nationalgarde jedoch Straßenbarrieren und eine Gruppe von Schlägern, genannt Tulopanos, begann auf die Menge von bis dahin friedlichen Demonstranten zu schießen. Während dieses Angriffs verloren zwei Studenten und ein Polizist ihr Leben. Ein weiterer Student erlag im Krankhaus seinen Wunden.

Kaum Medienreaktionen

VenezuelaIn den darauffolgenden Stunden und Tagen gab es weder in den Zeitungen, noch dem Fernsehen innerhalb Venezuelas Berichte bezüglich des Protestes. Kontrolliert werden die Medien in Venezuela vom Staat.

Einzig ein kolumbianischer Sender namens NTN24 berichtete über die fortwährenden Proteste in Venezuela und war kurz darauf innerhalb Venezuelas nicht mehr verfügbar. In einem Statement zu den Protesten sagte Nicolas Maduro, der Venezuelanische Präsident und „Ziehsohn“ Hugo Chavez, die Medien überrepräsentierten die Auseinandersetzungen und bestritt jegliche Involvierung der Sicherheitskräfte in die Auseinandersetzungen.

Seitdem wird in Venezuela den von Regierungsgegnern seit 15 Jahren angekündigten offenen Autoritarismus offenkundig praktiziert und erlebt: der letzte noch nicht geschlossene oder selbstzensierte Nachrichtensender wurde aus den Fernsehern per Dekret verbannt. Im Radio läuft Musik und in etlichen Fernsehsignalen laufen Dokumentarfilme, Konzerte oder die Regierungspropaganda. Twitter, eine der wenigen Organisationsmöglichkeiten der Studenten, wird zeitweise von der Staatstelefonie CANTV blockiert, sowie Nachrichtenstreams aus dem Ausland: die einzigen, die über den Chaos berichten.

Tägliche Blockaden

Täglich blockieren Studenten inzwischen die Hauptstraßen der meisten Städten im Land, besonders in Caracas. Hier werden nicht nur Sicherheit und bessere Lebensstandards gefordert, sondern wiederholt und vermehrt den Amtsaustritt vom Regierungschef Maduro, der in umstrittenen Wahlen an die Macht kam, die von mehreren internationalen Beobachtern für unfrei erklärt wurden. Die inzwischen über eine Million ausgewanderter Venezolaner organisieren zudem Proteste im Ausland, um die Aufmerksamkeit der gleichgültigen internationalen Gemeinde auf die Repression durch das Regime Maduros zu lenken, unter anderen in Frankfurt, Hamburg und Berlin.

Proteste setzen sich fort

Seit dem Tod des ehemaligen Präsidenten Hugo Chavez und marginal-gewonnenen Wahlen Nicolas Maduros im April 2013 (50,66%) befindet sich Venezuela in einem Strudel der Proteste. Nach Aussagen der Demonstranten stiege die Kriminalität sowie soziale Ungleichheit. Entführungen und Morde seien an der Tagesordnung, täglich-notwendige Güter wie Milch und Toilettenpapier seien rar und der Schwarzmarkt floriere.
Offiziellen Angaben nach hat Venezuela mit 56,2 % die höchste Inflation in der Region. Die Proteste setzen sich derweil fort.

Ein Artikel von Paul Alvarez Löblich und Raoul Sellke, Uni Würzburg

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