Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Deutscher Videoring: Abzocke durch Abofallen

Der Mann mit den bunten Karten ist fast noch ein Teenager. Mit leicht kratziger Stimme spricht er wahllos Passanten auf der Juliuspromenade in Würzburg an, immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht und der Frage: „Möchten Sie an einem Gewinnspiel teilnehmen?“ Denn zu gewinnen gibt es schließlich einen Minicooper, oder auch mal eine Reise in ein südliches Urlaubsdomizil. Sagt er. Nötig ist nur das Ausfüllen der Gewinnkarte – dann geht es vielleicht schon in den Traumurlaub, oder eben in die zweijährige Abofalle.

Anruf nach Ausfüllen der Gewinnkarten

Die Hinweise und Beschwerden unserer Leser über dubiose Gewinnspielaktionen in der Innenstadt häufen sich. Denn wer am Gewinnspiel teilnimmt, wird nicht selten einige Tage später auch angerufen – mit vermeintlich guten Nachrichten. Hier meldet sich dann beispielsweise das „Frankfurter Verlagshaus“, ein Unternehmen, das Abonnements der großen deutschen Zeitschriften im Angebot hat. Die Googlesuche spuckt über das Unternehmen aber nur spärliche Informationen aus. Viel eher wird da die Pressevertriebszentrale (PVZ) mit den Aboangeboten des deutschen Videorings in Verbindung gebracht, die ihre Schuld in einem Statement auf ihrer Website allerdings auch weit von sich weisen.

Das Telefonat

„Sie haben an einem Gewinnspiel teilgenommen. Und ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie“, heißt es vom freundlichen Mitarbeiter des ‚Frankfurter Verlagshauses‘ am Telefon. „Die Schlechte ist, sie haben nicht das Auto gewonnen. Die Gute allerdings, dass Sie auf reisen gehen dürfen.“ Doch wer die Reise gewinnen möchte, muss ein Abonnement über mindestens zwei Jahre abschließen. Alles hochprofessionell abgewickelt, mit Telefonmitschnitt und Qualitätsmanagement im Nachgang.

Videoring organisiert Gewinnaktionen

Meist ist auf den farbenfrohen Kärtchen der Werber ein schickes Auto oder ein Palmenstrand zu sehen. Wer genauer hinsieht, findet aber oft auch das Logo eines einschlägig bekannten Unternehmens: Dem Deutschen Videoring. Im Web finden sich dazu zahlreiche Einträge, in denen Betroffene über die zweifelhaften Machenschaften des Videorings diskutieren. Nutzer berichten über versprochene Rabatte bei Computerspielen und Videos, von kostenfreien Zeitschriften- und skrupellosen Lockangeboten.

Der Reisegutschein

Oft sind die Angebote derart verlockend, dass spontan etwas unterschrieben oder telefonisch abgeschlossen wird. Vielleicht war das Reiseziel zu perfekt oder das Zeitschriftenabo doch so vielversprechend, um es einmal selbst auszuprobieren. Wer jetzt allerdings auf die echte Traumreise hofft, sollte sich vom Luxusurlaub schnell verabschieden. Betroffene berichten von Reisegutscheinen, deren Loginlinks nicht funktionieren. Ferner halten die Reiseunternehmen unter verschiedenen Domains mehrere gleichaussehende Websites bereit, deren Weiterleitungen nach Eingabe des Logins nicht funktionieren. Schafft es dennoch ein „Gewinner“ in den Loginbereich zu kommen, ist die Enttäuschung nicht weit. Das von den Verlagshäusern angebotene Reiseziel existiert nicht.

Videoring weißt dubiose Methoden zurück

Wer sich auf der Website des Deutschen Videorings schlau machen möchte, findet lediglich eine im Aufbau befindliche Website vor. Im Impressum steht Norbert Suck als Geschäftsführer des Limburger Unternehmens. Er betont gegenüber der Gießener Allgemeinen Zeitung, dass das Vorgehen der Werber auf der Straße nicht nach den Richtlinien seines Unternehmens laufe. „Die Akquise machen selbstständige Subunternehmer“, so Suck. Den schwarzen Peter schiebt der Geschäftsführer somit weiter, an Kleinunternehmer, deren Identität wiederum in den Datenschutz des Videorings fallen.

Wie komme ich da raus?

Ärgerlich ist der Vertragsabschluss besonders für diejenigen, die das Zeitschriftenabo tatsächlich nur für einen Reisegutschein abgeschlossen haben. Hier gibt es letztlich nur eine Musterlösung: In jedem Fall muss der Vertrag sofort in schriftlicher Form widerrufen werden. Ist diese Frist allerdings überschritten, hilft nur ein Anwalt. Oder eben 12 bis 14 Monate mit einer Zeitschrift zu leben, die beim Lesen immer einen etwas bitteren Beigeschmack haben wird.

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