Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Immer mehr Menschen müssen zur Tafel

TafelladenSie bekommen Hartz4, die so genannte Grundsicherung in Deutschland. Doch diese reicht vielen Würzburgern kaum zum Leben. Immer mehr Arbeitslose kommen nicht weit mit ihrem Monatsbudget. Vor allem die Betreiber der Tafel in Würzburg spüren das, denn neue Zahlen beschreiben in den letzten 1,5 Jahren einen Anstieg von 600 Menschen, die die Tafel besuchen. Dieser Trend scheint auch 2014 nicht abzuflauen.

Einkauf kostet 1,50 Euro

Es gibt Eier, Kartoffeln, Gemüse, Salat und Obst. Jeden Tag ist das Sortiment ein bisschen anders, doch es ist vorhanden und verfügbar. Wo 2012 noch 1.700 Menschen das Angebot nutzen mussten, kommen jetzt bereits 2.300 Einkäufer. Drei Mal die Woche ist der Tafelladen in Würzburg geöffnet und versorgt wöchentlich rund 600 Haushalte. Die Kunden können hier selbst entscheiden, was sie mitnehmen möchten. Alles kann, nichts muss zwischen Wurst, Käse und süßen Teilen. Rund 60 – 70 Prozent ihres Lebensmittelbedarfs decken Bedürftige durch ihren Einkauf bei der Tafel ab, mutmaßt Isolde Welbers, die Vorsitzende der Tafel in Würzburg. Dafür zahlen die Kunden am Ende ihres Einkaufs 1,50 Euro. Geld, das die Tafel für den Unterhalt der Kühllaster verwendet.

Nachweis für Bedürftigkeit erforderlich

„Man kann nicht immer vom 01. bis zum 30. jeden Monats sparen“, betont Welbers. Deshalb gebe es das Angebot, das mittlerweile viele bedürftige Unterfranken nutzen. Um im Tafelladen einzukaufen, muss ein Nachweis erbracht werden, ein sogenannter „Schein“. Diesen gibt es bei Vorlage von Hartz4-Bescheiden oder geringen Einkommensnachweisen von der Stadt selbst oder beispielsweise den Caritasverbänden. Betroffen sind vor allem Bürger mit schlechten Jobchancen, verarmte Rentner oder Auszubildende mit sehr geringer Vergütung.

Bekanntheitsgrad der Tafel bringt mehr Kundschaft

„Immer mehr Leute überwinden sich auch, zur Tafel selbst oder ihren sechs Ausgabestellen in der Stadt zu kommen“, sagt Welbers. Das führt die Würzburgerin vor allem auf die Bekanntheit des Ladens zurück. „Durch die Medienberichte der letzten Zeit kommen immer mehr Menschen in unseren Laden“. Mit der Jahreszeit hat der Zulauf zur Tafel übrigens nichts zu tun – nur zu den Monatsenden kommen mehr Menschen, da das Geld knapper sei, erklärt die Tafelvorsitzende.

Rund 150 ehrenamtliche Helfer

Tafelladen1Etwa 150 Ehrenamtliche Helfer, darunter auch Studenten und Jugendliche helfen in der Tafel. Viele von ihnen kommen sporadisch, unterstützen bei Gelegenheit. Dennoch ist der Verein immer auf der Suche nach neuen Helfern. Diese kümmern sich unter anderem um die tägliche Abholung der Ware. Rund 50 – 70 Firmen, darunter Discounter, Supermärkte, Landwirte und Einzelhändler wie Bäcker geben ihre übrig gebliebenen Lebensmittel ab.

Zuspruch auch 2014

Auch 2014 stellt Welbers einen Zulauf fest. „In den ersten 14 Tagen des Jahres kamen bereits viele Leute“. Jetzt müsse erst einmal ermittelt werden, wer von den Einkäufern neu sei.

Tafelidee aus Amerika

Bis ins Jahr 1963 lässt sich die Tafelidee zurückverfolgen. Damals gründete Jan van Hengel in Phönix, Arizona in den USA die „St. Mary foodbank“. Heute sind foodbanks, harvestors oder auch tables in ganz Nordamerika verbreitet. In Berlin wurde 1993 die erste Deutsche Tafel gegründet, es folgten Hamburg, Düsseldorf und München. In Würzburg gründete sich die Tafel 1999.

Zum Beitrag des Bayerischen Fernsehens:

httpvh://www.youtube.com/watch?v=MSu6l-QILUM

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