Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Fernbusse im Trend: Wo geht die Reise hin?

Für 16,50 Euro von Würzburg nach Berlin, für 22 Euro nach Köln und für 27 Euro aus Unterfranken ans Meer – nach Hamburg genauer gesagt. (Tagespreise vom 21.01.2014) Wer heute von A nach B möchte, muss sich nicht mehr zwingend auf die teure Bahn verlassen. Denn seit Anfang 2013 gibt es ihn hier: Den Fernlinienbus. Zuvor zum Schutz der Eisenbahn noch stark reglementiert, erhalten Busunternehmen nun einfacher eine Genehmigung für Fernlinienfahrten. Und wer genug Sitzfleisch mitbringt, will in Zukunft vielleicht gar nicht mehr anders reisen.

Gegen Aufpreis CO2-neutrales Reisen

Erst steht die Wahl: Wo geht es hin? Online bieten die einzelnen Fernbuslinien von Würzburg aus ihre Ziele nach ganz Inner-Deutschland an. Die Entscheidung ist schnell auf das Unternehmen „Mein Fernbus“ gefallen. Das sind die mit dem grünen Bus. Mit 42 nationalen Verbindungen ist „Mein Fernbus“ der größte Spieler am Markt, dicht gefolgt von „Flixbus“. Es soll nach Berlin gehen – für schmale 16 Euro. Perfekt für einen studentischen Geldbeutel und eine zusätzliche Pauschale von ein paar Cent lockt noch mit dem Angebot „CO2-neutrales Reisen“. Denn „Mein Fernbus“ will nicht nur von aussen grün sein, sondern auch ökobewusste Reisende überzeugen. Zur Buchung geht es dann ratzfatz. Weniger als zehn Klicks sind notwendig, um sein Ticket inklusive QR-Code direkt auszudrucken. Einfacher geht es kaum, denn der Busfahrer muss im Endeffekt nur noch das Ticket einscannen und das Gepäck verstauen.

Bereits zahlreiche Busunternehmen am Hauptbahnhof

Würzburger reisen mit den Fernbussen direkt vor den Posthallen in der Bismarckstraße ab. Die Haltestelle für die Unternehmen Flixbus, Mein Fernbus, den Berlin Linien Bus oder auf wenigen Strecken auch den ADAC Postbus liegt in unmittelbarer Laufnähe zum Haupt- und Busbahnhof. Dauert die Fahrt länger, sind zwei Fahrer an Board. Die wechseln sich wegen der Ruhezeiten und zum Einchecken der Fahrgäste mit dem Fahren ab. Denn wie auch bei der Bahn gibt es Haltestellen für Fernbusse, bei denen Gäste zusteigen und wieder aussteigen. An eine Spielregel müssen sich die Linien aber halten: Die Haltestellen für Fernlinien sollten mindestens 50 Kilometer weit auseinander liegen. In der Praxis ist das aber nicht immer realistisch.

Sechs Stunden Reisezeit kontra vier Stunden Fahrtzeit

Zugegeben, etwas Sitzfleisch müssen Reisegäste für den Fernbus mitbringen. Die Strecke von Würzburg nach Berlin schaffen die Buslinien im Durchschnitt in fünf bis sechs Stunden. Mit dem ICE geht es in knapp unter Vier. Dafür spricht der Preis eine sehr deutliche Sprache. Während die Busunternehmen „Flixbus“ und „Mein Fernbus“ die Fahrt für 15 – 18 Euro anbieten, kostet der ICE bei relativ spontaner Buchung weit über 100 Euro.

Vor- und Nachteile im Fernbus

Im unschlagbaren Preis liegt der Hauptvorteil des Fernbus. Weder mit dem Flugzeug, der Bahn oder auch dem Auto geht es so billig ans Reiseziel. Auf Komfort muss dabei nicht verzichtet werden. Da die meisten Busse erst Anfang 2013 in Betrieb gingen, ist die Ausstattung noch überwiegend neu. An Board überzeugt ein kostenfreier W-Lan-Zugang und Stromanschluss. Und für diejenigen, denen im Zug gerne mal übel wird: Alle Sitze sind in Fahrtrichtung.

Wer auf den gut frequentierten Strecken unterwegs ist, muss im Bus aber rechtzeitig buchen. Denn Sitzplätze sind Mangelware und auf den Autobahnen geht es oft noch chaotischer zu, als auf den Schienen. Bei einem Unfall auf der A9 darf durchaus mit zwei Stunden Verspätung gerechnet werden. Von der eingeschränkten Beinfreiheit während der Fahrt ganz zu schweigen. Dennoch versuchen die Fahrer durch ausreichende Pausen diesen Nachteil auszugleichen.

Branche mit guter Zukunft

Bereits jetzt ist das angebotene Netzwerk von Würzburg aus dicht geknüpft. Und die Branche hat noch Wachstumschancen. Denn obwohl sich manches Unternehmen aus dem mittlerweile harten Wettbewerb verabschieden wird, rechnet das Berliner Iges-Intitut, dass in Zukunft rund zehn Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens in Deutschland auf Fernbusse entfallen könnte. Die Zahlen des erfolgreichen Auftaktjahres für Fernbusse sprechen eine deutliche Sprache. Laut Schätzungen des Portals „Fernbusse.de“ waren rund 8,3 Millionen Fahrgäste mit einer Langstrecken-Busverbindung unterwegs.

Eine Übersicht über die Fahrtstrecken von Würzburg aus findet ihr hier.

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