Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Verdacht auf Suizidversuch – Polizei (ver)folgt Mann auf Quad

In den späten Abendstunden des 4. Januars erhielt unsere Redaktion die Information, dass die Polizei auf Feldwegen im Raum Holzkirchen, Helmstadt und Neubrunn einen Quad fahrenden Mann verfolgt. Zeitweise bekam die Polizei Würzburg Land auch Unterstützung durch einen Hubschrauber.

Blaulicht Würzburg

Normalerweise nutzen Facebook-Postings die „Schwarmintelligenz“ dazu,  in kurzer Zeit verschiedene Informationen und Meinungen zusammenzutragen. Fahndungsfotos werden geteilt, Hinweise zu Fahrraddiebstählen werden gegeben und Jacken, die „aus Versehen“ aus einem Club mitgenommen wurden, zurückgegeben.

Vergleiche mit GTA und Polizeifeindlichkeit

Auf dieses Facebook Posting von Blaulicht Würzburg folgte allerdings eine Mischung aus Spekulationen, Diskussionen, aber vor allem Fantasterei und Kommentare, die von Betroffenen als polizeifeindlich eingestuft werden könnten.

Einige Fans der Seite vergleichen die kurze, sachliche Meldung mit Szenen aus dem Computerspiel GTA5, nicht wenige wünschen dem Quadfahrer, dass er der Polizei entkommt, manche unterstellen, die Polizei habe nichts Besseres zu tun und jage etwa einen „simplen“ Verkehrssünder.

Erfreulicher Weise liest man aber auch Beiträge, die auf den bei einem solchen Polizeieinsatz gegebenen Ernst der Lage und die vielfältigen Aufgaben der Polizei hinweisen. Per Like erhalten diese Kommentare ebenfalls soviel Zustimmung, wie die vermeintlich „lustig“ gemeinten Äußerungen.

Grund des Polizeieinsatzes

Am Abend des 4. Januars erhielt die Polizeiinspektion Würzburg-Land eine Nachricht, in der glaubhaft vermittelt wurde, dass ein im westlichen Landkreis Würzburg wohnhafter Mann Freitod-Absichten habe. Daraufhin startete die Polizei eine Fahndung. Im Laufe des Abends wurde der anscheinend Suizid gefährdete Mann, der stellenweise mit einem Quad unterwegs war, in Gewahrsam genommen.

Die Polizei handelte hier gem. Artikel 17 Abs. 1 Nr. 1 des Polizeiaufgabengesetzes (PAG). Sie kann Personen in Gewahrsam nehmen, was übrigens keine Festnahme im Sinne der Strafprozessordnung ist, sofern es zum Schutz der Person gegen Gefahr für Leib oder Leben erforderlich ist. Eine Unterbringung in eine Klinik regelt indes Art. 10 Abs. 2 des Bayerischen Unterbringungsgesetzes.

Blaulicht 2.0 – Quo Vadis? 

Anhand des Vorfalls und den damit verbundenen Beiträgen auf der Seite Blaulicht Würzburg gehen uns Redakteure einige Gedanken durch den Kopf.

Meinungsfreiheit

Zum einen halten wir die Meinungsfreiheit im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Landes, gerade wenn sie von Minderheiten ausgeübt wird, für eine der größten Errungenschaften unserer Gesellschaft. Sie ist auch feste Überzeugung und Grundlage der Art, wie wir bei Würzburg erleben arbeiten. Das „Mitmachinternet“ Web 2.0 hilft uns, neben den offiziellen Pressemitteilungen eine Vielzahl an Meinungen und Aspekten abzurufen. Wenn die Presse eine Kontrollfunktion hat, sind die Meinungsäußerer wiederum die Kontrolleure unserer Beiträge. Das schützt uns vor dem Vorwurf, eine PR-Maschine zu sein, die teilweise ungefiltert die Darstellung der mitteilenden Institution verbreitet.

An Betroffene denken

Zum anderen sollte der Vorfall den ein oder anderen Fan der Seite Blaulicht Würzburg seinen eigenen Beitrag überdenken lassen. Die Meinungsfreiheit ermöglicht das Recht, aber nicht die Pflicht, die eigene Meinung oder besser gesagt, was einem gerade durch den Kopf schweift, zu äußern. Man sollte beim Kommentieren durchaus neben der eigenen und fremden Erheiterung auch im Hinterkopf behalten, dass es bei jedem Vorfall Verwandte, Freunde und Bekannte gibt, die im Gegensatz zur Mehrheit Täter, Opfer, Helfer, Polizist etc. persönlich kennen und damit auch den Kommentar persönlich nehmen könnten.

Sollten wir Blaulicht zensieren?

Tatsächlich überlegen wir uns in der Redaktion bei jedem Posting, ob wir die zugrundeliegen Meldung veröffentlichen – oder auch nicht. Mit Blick auf das „Quad-Posting“ haben wir ausführlich darüber diskutiert, wie wir ein solches Thema sachlich kommunizieren, bzw. ob wir überhaupt  Informationen dieser Art veröffentlichen sollten. Klar ist: ohne unsere Berichterstattung und Informationen der Fans hätte es auch keine offizielle Mitteilung der Polizei gegeben.

Auch wenn im Web 2.0 jeder die Möglichkeit besitzt, auch fragwürdige oder unangebrachte Meinungen zu äußern, zu provozieren und bewußt bis an die Grenze der Beleidigung zu gehen, sind wir der festen Überzeugung, dass die sachliche Veröffentlichung solcher Beiträge das Informationsbedürfnis vieler Menschen erfüllt – genau hierin sehen wir die Aufgabe einer unabhängigen Berichterstattung.

Wir sind uns auch sicher, daß die große Mehrheit der Fans der Seite Blaulicht Würzburg die unterschiedlichen Darstellungsformen als sachliche Information, Meinung oder auch bunte Unterhaltung unterscheiden kann. Letztlich liegt es auch an jedem Einzelnen, die Kommentare der anderen zu bewerten, zu berichtigen, zu mäßigen oder uns wegen Überschreitung der Grenzen (siehe Verhaltensrichtlinien, Nettiquette) zu melden.

Gemeinsam Medienkompetenz stärken

Unsere Aufgabe wird es künftig sein, die Informationen sensibler weiterzugeben und die Medienkompetenz der Fans zu schärfen. Das Ganze funktioniert am Besten, wenn Ihr uns dabei helft. Daher vielen Dank für Eure bisherige Kritik. Gemeinsam wollen wir mit Euch eine starke Community um das Thema „Blaulicht“ entwickeln, die stets gut informiert ist, Blaulichter bei Ihrer Arbeit unterstützt und die an den Stellen, bei denen es passt, auch Spaß an der Seite hat.

Die Diskussion auf Facebook

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