Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

s.Oliver Baskets lassen die Hosen runter – 835.000 € Schulden

Mit dem Rücken zur Wand

Die sportliche Misere, in der sich die s.Oliver Baskets derzeit befinden, springt jedem Leser beim Blick auf die aktuellen Tabelle der BEKO Basketballbundesliga ins Gesicht. Mit 6 Niederlagen aus 6 Spielen zeichnen die Würzburger den vorletzten Tabellenplatz. Bei einem heutigen Sieg gegen die Eisbären Bremerhaven müsste man wenigstens nicht die rote Laterne der Liga übernehmen.

835.000 € Verlust

s.Oliver_BasketsDem sportlichen Misserfolg kommt nun eine weitere Hiobsbotschaft hinzu. Laut einem Interview, das die Main Post mit Gesellschafter Bruno Fraas geführt hat, beziffere sich der Verlust des abgelaufenen Wirtschaftsjahres, nicht wie noch im April 2013 angenommen, auf 250.000 sondern auf 835.000 Euro. Der kleinere Betrag war schon damals beim Lizenzantrag für die neue Saison der Liga offengelegt worden.  Die Lizenz für die laufende Saison erhielt man nur, weil die Gesellschafter Wagner, Beck, Bader, Bähr und Fraas  die Finanzlücke schlossen und sich der Auflage verpflichteten, einen Gewinn von 150.000 Euro zu erwirtschaften. Der gesamte Verlust von 835.000 € setzt sich anscheinend aus den Mehrkosten für die verletzungsbedingten Nachverpflichtungen aus der letzten Saison, Rückstellungen zur Berufsgenossenschaft und Lohnsteuernachzahlungen für die Jahre 2007 bis 2011 zusammen. Fraas ist der Meinung, man habe es verpasst, die wirtschaftliche Lage im Blick zu halten. Gründe dafür wären ein unprofessionelles Finanz- und Belegwesen gewesen.

Würzburger Basketball – Quo vadis?

Alle Würzburger, die in den letzten 5 Jahren den Basketball (wieder) zu schätzen gelernt haben, laufen Gefahr ein Déjá-vu aus 2005 zu erleben. Damals stiegen  die „X-Rays“ in die 2. Liga Süd ab und die X-Rays Sport-Marketing GmbH musste Insolvenz anmelden. Damit dies nicht geschieht, müssen jetzt alle Beteiligten – Organisatoren, Spieler, Sponsoren und natürlich die Fans – nicht nur ihre Hausaufgaben machen, sondern mehr denn je zuvor die Verbundenheit zum Würzburger Basketball beweisen:

Fans

fans baskets s.OlDie Fans und Fanclubs machen bereits heute den Anfang. Trotz der Niederlagen und teilweise unansehnlichen Spielen in der s.Oliver Arena, strichen die Würzburger nicht den etablierten Programmpunkt, am Wochenende die Baskets anzufeuern. Sie füllen abermals die Turnhölle bis zum letzten Platz. Auch einige Wortführer der Fanclubs bzw. deren Untergruppierungen tauschen „Schröder raus“ Parolen in klare Ansagen der  bedingungslosen Unterstützung um. Bleibt zu hoffen, dass dies auch über das heutige Spiel gegen Bremerhaven, selbst bei einer Niederlage hinaus, bis zum Ende der Saison anhält. Das wäre eine der wichtigsten Säulen, wenn man zum Erfolg zurückkehren möchte.

Spieler und Coach

Den Spielern mangelndes Engagement oder Motivation vorzuwerfen, wäre töricht und falsch. Nicht jedes Spiel war gut, aber beispielsweise gegen Ulm oder Artland, die als prinzipiell stärker einzuschätzen sind, spielte man ordentlich und verpasste nur knapp den Sieg. Gegen Berlin kämpfte man sich nach 23 Punkten Rückstand wieder auf 3 Punkte  heran. Alle Mühen wurden leider noch nicht mit einem Sieg belohnt – das frustrierte nicht nur die Spieler. Heute geht es nicht nur darum, den Tabellenletzten zu schlagen, den 1. Sieg der Saison einzufahren, sondern die „Jungs“ spielen wohl auch um den Job von Marcel Schröder. Ein Sieg könnte dem Head Coach wieder Vertrauen seitens der Organisatoren und Fans einbringen und man könnte sich wieder einen Schritt davon entfernen, über einen neuen Trainer und der damit verbundenen finanziellen Mehrbelastung nachzudenken. Danach gilt: Erfolg führt zu Erfolg führt zu Erfolg…

Gesellschafter und Geschäftsführer

Die Gesellschafter signalisieren deutlich, dass sie fest an den Fortbestand des Würzburger Spitzenbasketball glauben. Ohne Zögern schlossen sie die im April bekannt gewordene Finanzlücke und arbeiten anscheinend seit kurzer Zeit mit Hochdruck an einem Sanierungsplan, der vorsieht, die restlichen 600.000 Euro über vier Jahre abzutragen. Äußerst positiv ist zu erwähnen, dass im Gegensatz zu den vor einigen Wochen ausgetragener Gesellschafterstreit dieses Mal ohne Emotionen und persönlichen Animositäten gearbeitet wird. Sicherlich kann man davon ausgehen, dass analysiert wird, wie es zu dieser misslichen Lage kam.  Das geschieht aber wohl ohne Schuldzuweisungen. Damit sich eine finanzielle Schieflage nicht wiederholt und der Sanierungsplan ordentlich durchgeführt wird, hat man kürzlich Johannes Bauer als kaufmännischen Leiter an die Seite von Steffen Lieber gestellt. Liebler kann sich somit vollkommen auf das  Management der Mannschaft und des Spielbetriebs konzentrieren, während Bauer das Budget überwacht und Sponsoren betreut.

Ein weiteres Indiz, warum fest von einem Fortbestand des Profi Basketballs in Würzburg ausgegangen werden muss, ist der Fortbestand der  Planungen für die neuen Basketball Arena am Berliner Ring. Schon Ende November soll es auf Investoren und Sponsorensuche gehen. Sollte man hier erfolgreich sein, geht der Bau im späten Frühjar 2014  los. Das wiederum bringt viele – auch finanzielle – Möglichkeiten, die sich auch positiv auf die Finanzlage der Baskets auswirken würden.

Sponsoren

Im Unterschied zum Mäzentum muss ich das moderne Sport Sponsoring für die Unternehmen lohnen. Für den guten Zweck oder ein Wohlgefühl, die Region unterstützt zu haben, greift kaum noch ein Unternehmen (tiefer) in die Tasche. Bisherige und neue Sponsoren müssen jetzt dennoch den Mut beweisen, auch in Krisenzeiten ihren Teil und ein bisschen mehr beizutragen. Kein Sponsor der letzten zwei Jahre kann sich etwas davon kaufen, Sponsor eines missglückten Projektes gewesen zu sein. In Krisenzeiten den Baskets beigestanden und die Kehrtwende gemeinsam gemeistert zu haben, hat hingegen schon etwas mehr Charme. Die oben genannten Beteiligten, Fans, Spieler und Organisatoren werden es ihnen letztlich danken, womöglich in einer Weise, die sich sich nicht als Zahl im Return on Investment widerspiegelt.

Baskets vs. Eisbären

Das nächste Kapitel wird auf jeden Fall heute Abend um 19 Uhr geschrieben: s.Oliver Baskets vs. Bremerhaven Eisbären. Es bleibt in allen Belangen spannend. Good luck!

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