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Das Sprachrohr im Gespräch: der neue Sprecher-und Sprecherinnenrat

Der neue Sprecher- und Sprecherinnenrat (kurz: SSR) ist gewählt und hat seine Arbeit aufgenommen. Im Zuge der Wahlen im vergangenen Semester gab es eine Neuerung und die Uni Würzburg hat ab dem Wintersemester 2013/14 zwei SenatorInnen. Diese beiden Studis sind die höchsten VertreterInnen der Studierenden und repräsentieren die Studierenden im Senat. Was sie genau machen, was ihre Aufgaben und Ambitionen sind, hat das Sprachrohr im Gespräch mit Alexander Bagus und Jana Englmeier nachgefragt. 

Interview geführt von Max Schmitt

Ihr seid die neuen SenatorInnen und habt somit das höchste studentische Amt inne. Könnt ihr kurz erklären was eure Aufgaben sind?

Jana: Hauptaufgabe ist, die Studierenden und deren Meinungen im Hochschulrat zu vertreten. Wir setzten uns für mehr Mitbestimmung ein und wollen dafür sorgen, dass die Studierenden gehört werden.  

Das heißt, ihr repräsentiert in erster Linie, oder dürft ihr auch aktiv mitbestimmen?

Alexander: Wir dürfen natürlich auch aktiv mitentscheiden. Als Senatorin bzw. Senator haben wir das volle Stimmrecht – und dieses werden wir auch zu nutzen wissen. 

Welche Entscheidungen kommen auf euch zu? 

Jana: Beispielsweise kümmert sich der Senat um Prüfungs- und Studienordnung. Hier wird abgestimmt, ob und in wie weit sich diese ändern. 

Alexander: Ein weiterer Bestandteil ist die Berufung von Professoren. Der Senat entscheidet letztlich final über alles, was das inneruniversitäre Leben ausmacht. 

Kann ich euch somit auch als Kanal zwischen Hochschulleitung und Studierenden sehen?

Jana: Definitiv. Wir sehen uns natürlich in erster Linie als Repräsentanten der Studis, möchten aber in beide Richtungen Diskurse führen und Informationen austauschen. 

Wie wird dieser Austausch von Statten gehen? 

Alexander: Wir berichten regelmäßig auf den Sitzungen des studentischen Konvents und geben dort nicht nur die aktuelle Sachlage wieder, sondern werden – hoffentlich – gemeinsam mit dem Konvent über aktuelle und anstehende Inhalte reden. 

Der SSR wird nicht explizit mit einbezogen?

Alexander: Doch, auf jeden Fall. In den Sitzungen des Sprecher- und Sprecherinnenrats ist der Austausch noch intensiver und regelmäßiger. Gerade bei langwierigen Themen, wie die Situation mit den Masterplätzen, müssen und wollen wir den SSR stets auf dem Laufenden halten. 

Warum gibt es seit diesem Semester zwei SenatorInnen?

Alexander: Das ist auf eine Änderung im bayerischen Hochschulgesetzt zurück zu führen. Dort wurde beschlossen, dass die Anzahl der Studierenden im Senat auf „zwei“ aufgestockt wird. Als Landesvorsitzender der LHG Bayern darf ich mir diese Neuerung auf die Fahnen schreiben, da die Liberale Hochschulgruppen lange dafür gestritten haben – bis es endlich die alte Koalition umgesetzt hat. 

Sind die Studierenden dadurch auch prozentual besser vertreten?

Jana: Kurz und knapp, ja. Die Mehrheit in diesem Gremium muss zwar immer bei den ProfessorInnen liegen, aber mit zwei Stimmen hat sich der studentische Einfluss verdoppelt. 

Der letzte Teil klingt zwar sehr positiv, aber etwas spitzer formuliert kann man sagen, die Profs können machen was sie wollen, da die Mehrheit stets bei Ihnen liegt, oder?

Alexander: Das ist in der Tat etwas überspitzt gesagt, aber wahr. Jedoch muss man bedenken, dass gerade wir als Studis die Kontrollinstanz sind. Wir haben den Kanal zur Studierendenschaft, zu Presse und Öffentlichkeit. Von daher kommt es auf das gute Miteinander an – und durch den Bildungsstreik oder den offenen Brief an den Präsidenten hat man, denke ich, gesehen, dass dieser Einfluss nicht unterschätzt werden darf. Die Hochschulleitung hat zudem festgestellt, dass man mit „uns als Studis“ in der Tat produktiv und effizient zusammenarbeiten kann. 

Nun zu euch und euren Zielen: Wie seid ihr zur Hochschulpolitik gekommen? 

Jana: Ich war schon zu Schulzeiten interessiert an der Hochschulpolitik und habe mich vor meinem Studienbeginn über Hochschulgruppen etc. informiert. Dabei hat sich schnell herauskristallisiert, dass für mich nur die Grüne Hochschulgruppe, kurz GHG, in Frage kommt. Dort engagiere ich mich nun seit dem zweiten Semester und bin so auch in den Konvent gekommen. 

Alexander: Ich habe mich 2008 auf die sogenannte „Liberale Familie“ eingelassen und bin so zu FDP, den Jungen Liberalen und der LHG gekommen. Als politikinteressierter Mensch war der Schritt in die Hochschulpolitik für mich von Beginn meines politischen Engagements an interessant und ich wollte, bzw. möchte, meine Hochschule mitgestalten. 

Als SenatorInnen seid ihr auch Mitglieder im SSR. Was habt ihr euch persönlich als Ziele gesteckt für diese Amtszeit?

Jana: Vor allem eine harmonische Amtszeit. Das ist Grundvoraussetzung für effektives Arbeiten. Ich möchte so gut wie möglich Konventsbeschlüsse und die Meinung der Studierenden vertreten. 

Und ganz konkret?

Jana: Konkret liegen mir die Punkt „nachhaltige Uni“ und „mehr Frauen an Lehrstühlen“ am Herzen. 

Wie ist es bei dir, Alexander? Was sind deine Ziele oder Wünsche für die Amtszeit im SSR?

Alexander: Auf jeden Fall der intensivere Austausch mit der Stadt Würzburg. Bei vielen Themen, wie der Verkehrssituation am Hubland oder dem Ausbau der Leighton-Barracks, ist es wichtig, die Stadt mit einzubeziehen. Ganz persönlich liegt mir die Zukunft der Philosophischen Fakultät I sehr am Herzen. Hier muss dringend etwas passieren und ich denke, das ist das nächste dicke Brett, das es zu bohren gilt. 

Der letzte SSR hat unter anderem für eine Verfasste Studierendenschaft, kurz AStA, gekämpft. Werdet ihr weiter versuchen über Öffentlichkeitsarbeit und andere Aktionen einen AStA in Bayern zu etablieren? 

Alexander: Bei dem Thema AStA hat der SSR als solcher wenig zu entscheiden. Hier haben andere Gremien, wie der FZS oder die LAK, zu wirken.

Du meinst den Freiwilligen Zusammenschluss von StudentInnenschaften, bzw. die Landes-Asten-Konferenz?

Alexander: Genau. Und wer in wie weit die Uni Würzburg in diesen Gremien repräsentiert, muss der SSR intern entscheiden. 

Das heißt, ihr lasst euch von jemandem repräsentieren, der bzw. die nicht zwingend Teil des SSRs sein muss?

Jana: Das stimmt, man muss nicht zwingend Teil des SSRs sein. Jedoch sollte auch hier ein intensiver Kontakt und Austausch zwischen der Studierendenvertretung und entsprechenden Interessierten herrschen. 

Dann zu einem weiteren Anliegen des letzten SSRs, das du, Alexander, schon kurz angesprochen hast. Thema: Knappheit der Masterplätze. Wird das Teil eurer Agenda sein?

Jana: Definitiv.

Was könnt ihr dabei bewirken? Meines Wissens nach, wird das Budget vom Landtag festgelegt?

Alexander: Wir müssen hier an mehreren Hebeln ansetzen. Zum einen gilt es, mit den Fakultäten zu sprechen, da diese die ersten Entscheidungen fällen, was die Anzahl von Studienplätzen angeht. Dabei müssen wir die Fachschaften unterstützen, da dies in erster Linie in deren Aufgabenbereich fällt. Zum anderen muss man den Kontakt zum Ministerium suchen. Auch in München muss man sich dessen bewusst werden, dass man mit einem Bachelor-Abschluss nicht automatisch einen Job bekommt – und insbesondere nicht immer für einen solchen ausreichend qualifiziert ist. Sollte man beispielsweise nach dem BA Psychologie keinen Masterplatz finden, wird es, meiner Meinung nach, schwer, beruflich Fuß zu fassen.

Ihr habt eben schon erzählt, dass ihr beide in Hochschulgruppen mitarbeitet. Du, Jana, in der GHG und du, Alexander, in der LHG. Ihr unterliegt allerdings den Beschlüssen des Konvents. In wie weit können dabei Interessenkonflikte entstehen?

Alexander: Insgesamt muss man zuerst darauf hinweisen, dass wir als Senatoren nicht den Weisungen des Konvents unterliegen. Da wir allerdings mit dem SSR und natürlich auch mit dem Konvent, ein harmonisches Miteinander pflegen möchten, gilt es hier den Konsens zu suchen. 

Aber als Mitglieder des SSRs unterliegt ihr den Weisungen des Konvents – um deine Wortwahl zu benutzen.

Alexander: Das stimmt. Und aus eben diesem Grund ist es mein, bzw. unser Anliegen, harmonisch zusammenzuarbeiten. 

Jana: Wir haben uns als SSR den Beschlüssen des Konvents zu beugen, das stimmt. Diese werden stets per Mehrheitsentscheidung gefällt – und sollte man einmal persönlich nicht dieser Meinung sein, gilt es trotzdem die Meinung aller Studis – die der Konvent ja repräsentiert – auch nach außen hin weiterzutragen. 

Aber ihr denkt nicht, dass euch dies in der Ausführung eures Amtes einschränkt?

Jana: Nein, auf keinen Fall. 

Alexander: Mein Ziel war schon immer die pragmatische Hochschulpolitik. Und ich denke, dass es dabei keine großen Konflikte geben wird. Schließlich liegt uns allen das Wohl der Hochschule an Herzen. 

Abschließend: Was ist euer Wunsch für die kommende Amtszeit?

Jana: Ich hoffe, dass wir möglichst viele Ziele erreichen und eine schöne, harmonische Amtszeit haben werden. 

Und dein Wunsch, Alexander?

Alexander: Wenig Frustration, viel Spaß und Erfolg bei den bevorstehenden Aufgaben und eine engagierte Truppe.

 

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