Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

„Darf man Neger sagen?“

„Darf man Neger sagen?“ – Mit diesem Betreff erreichte uns heute eine Pressemitteilung der Universität Würzburg, da aktuell eine ausgiebige Rassismusdebatte um einen  Torwart des Würzburger Fußballvereins TSV Grombühl (Mannschaftsfoto) läuft. Der wurde zuletzt während eines Spiels mit „Neger“ betitelt.

Das N-Wort

Ist es eine Beleidigung, wenn ein Mensch mit afrikanischen Wurzeln als „Neger*“ bezeichnet wird? Ein aktueller Fall
aus dem Fußball wirft diese Frage auf.

Ein Fußballspiel zwischen dem Würzburger Verein TSV Grombühl und der Mannschaft aus Buchbrunn/ Mainstockheim sorgt für
Diskussionen. Der Grund: Während des Spiels soll ein Zuschauer den Grombühler Torwart als „Neger“ tituliert haben.

Kommt die Verwendung des „N-Worts“ einer rassistischen Beleidigung gleich? Über diese Frage wird jetzt diskutiert
in Fußballvereinen, in Leserforen, an Stammtischen.

Eindeutig abwertend

Dr. Karin Sekora vom Afrikazentrum der Universität Würzburg hat dazu eine eindeutige Meinung: „Das Wort „Neger“
sollte tunlichst nicht mehr verwendet werden. Denn es war über Jahrhunderte hinweg eindeutig abwertend gemeint, und das
ist auch heute noch so.“

Nach wie vor sei das Wort „Neger“ stark mit der Sklaverei assoziiert, gibt Sekora zu bedenken. Davon zeugen zum
Beispiel Redewendungen, die auch im Jahr 2013 noch gebräuchlich sind, etwa „seinen Neger haben“ oder „schuften wie ein
Neger“.

Krude Rassentheorien

„Auch in den Rassentheorien, die im 19. Jahrhundert in Europa und den USA entwickelt wurden, waren *die Neger* stets
auf der untersten Stufe des Menschseins angesiedel“*, sagt Sekora.

In diesen kruden Theorien, die bis weit in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts als Wissenschaft galten, machte man
zusätzlich noch subtile Unterschiede zwischen Schwarzen: „Einige Völker wie etwa Nubier, Äthiopier und Massai galten als
edle „Rassen“. Es wurde behauptet, sie seien nur äußerlich schwarz, seien aber die Nachfahren von hellhäutigen,
kulturell überlegenen Eroberern.“ Diesen Völkern habe man die sogenannten „wahren Neger“ gegenübergestellt. Diese
galten als primitiv, zu keiner eigenen kulturellen Entwicklung fähig“ und als hässlich.

Auferlegte Bezeichnung

„Es ist also mehr als nachvollziehbar, wenn Menschen mit dunkler Hautfarbe sich dagegen wehren, „Neger“ genannt zu
werden*, so die Wissenschaftlerin. Denn „Neger“ sei eine von außen auferlegte Bezeichnung. Noch bis vor wenigen
Jahrzehnten habe sie Rassentheoretikern ganz offiziell dazu gedient, Menschen aufgrund ihres Äußeren abzuwerten und
ihnen als Kollektiv negative Eigenschaften zu unterstellen.

Sicher könne man nicht jedem, der das Wort „Neger“ verwendet, weil er es so gewohnt ist, Rassismus unterstellen.
Dennoch gebe es Menschen, die den Ausdruck bewusst als Schimpfwort einsetzen. „Schon um sich nicht auf diese Stufe zu
stellen, sollte man sich das Wort abgewöhnen“, meint Sekora.

Zur Person

Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Karin Sekora ist Mitglied im Forum Afrikazentrum der Universität Würzburg. Sie
befasst sich unter anderem mit der Geschichte der Sklaverei und deren Folgen. In den vergangenen Jahren hat sie auch
Ausstellungen zu diesem Thema erarbeitet, die im Universitätszelt auf dem Würzburger Africa Festival gezeigt wurden.

Der Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Universität Würzburg. 

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