Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Herbsttagung des Zentrums für Lehrerbildung

In der Schule sollen Kinder ihre Begabungen ausleben können. „Kompetenzorientierung“ lautet hierzu das Stichwort. Wie Lehrerinnen und Lehrer so unterrichten können, dass jeder Schüler Kompetenzen hinzugewinnt, dabei ging es bei der Herbsttagung des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) an der Universität Würzburg. Über 500 Lehrkräfte und Studierende nahmen an der zweitägigen Kooperationsveranstaltung mit der Regionalen Schulentwicklung in Unterfranken teil.

Praxisferner Unterricht

Kinder sind lernbegierig. Sie wollen die Welt, in der sie leben, verstehen. Sie wollen immer mehr können. Sie wollen lernen, ihren Alltag immer besser alleine zu meistern. „Schulen und Kitas können zum Kompetenzgewinn von Kindern beitragen“, betonte Professorin Silke Hertel von der Universität Heidelberg in ihrem Eröffnungsreferat. Aber nur dann, wenn sie nicht nur reines Wissen vermitteln.

Noch zu oft wird dieser Aspekt im Schulalltag ausgekoppelt: Lehrkräfte unterrichten, ohne sich zu fragen, wie und wann Kinder dieses Wissen in Alltagssituation anwenden können. Wobei der Begriff „Kompetenz“ noch darüber hinausgeht. Kompetent handeln, das heißt, das Handeln an Regeln und Wertvorstellungen auszurichten. Auch dies kann laut Hertel in der Schule in „intelligenten Situationen“ eingeübt werden. Dabei sollte jedes Kind ein auf seine Begabungen zugeschnittenes Lernangebot erhalten.

Die Krux mit den Noten

Der nächste Lernschritt gelingt dann am besten, wenn das Kind weiß, wo es gerade steht. Gut, das wird regelmäßig in Noten erhoben. Aber Noten sind so eine Sache. Vor Noten haben viele Kinder Angst. Denn sie haben Konsequenzen. Aus diesem Grund sollten Lehrerinnen und Lehrer laut Hertel zwei Arten von Lernstandserhebungen unterscheiden. Einmal geht es um die Notenvergabe, ein anderes Mal ausschließlich darum, dem Kind ein Feedback zu geben, damit es beim Lernen weiterkommt. Untersuchungen von Hertel und ihrem Team ergaben, dass hierdurch ein Höchstmaß an Kompetenzorientierung im Unterricht möglich wird.

Mit Hilfe unterschiedlicher Arbeitsblätter, mit Lernsoftware und vielen anderen Methoden kann differenziert unterrichtet werden. In fast 25 Workshops erfuhren die Tagungsteilnehmerinnen ganz konkret, wie Kompetenzorientierung realisiert werden kann. Und zwar in unterschiedlichen Schularten und unterschiedlichen Fächern.

Workshop für Englischlehrer

Ein Workshop richtete sich speziell an Englischlehrkräfte, ein anderer an Lehrerinnen und Lehrer, die Kinder mit sozial-emotionalem Förderbedarf in der Klasse haben. Auch erfuhren die Tagungsteilnehmerinnen, wie im benachbarten Südtirol kompetenzorientiert unterrichtet wird. Wobei nicht vergessen werden darf: „Alle Kinder kommen kompetent auf die Welt“, betonte Maria Förster von der Hammelburger „Lernwerkstatt für Kinder“. Aufgabe von Erzieherinnen und Lehrerinnen sei es, mitzuhelfen, dass sich die vorhandenen Potenziale gut weiterentwickeln können.

Dass es in der Schule nicht nur darum geht, Lernstoff zu vermitteln, das werden auch die neuen LehrplänePlus zeigen, legte Dr. Günter Förschner vom Münchner Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) dar. „Beim Unterrichten geht es um Bereitschaften, Werte und Verantwortung“, unterstrich der Studiendirektor: „Denn Wissen alleine ist keine Kompetenz.“ So müssten Schülerinnen und Schüler in der Schule vor allem auch lernen, Dinge kritisch zu hinterfragen.

Aus Fehlern lernen

Natürlich kann Kompetenzorientierung derzeit nur mit Abstrichen realisiert werden, räumte Förschner in seinem Workshop ein: „Noch gibt es zu große Klassen und zu kleine Räume.“ Doch auch unter diesen Bedingungen sei sehr viel mehr an Kompetenzorientierung möglich als bisher geschehen: „Es ist zum Beispiel schade, wie oft mit Klassenarbeiten umgegangen wird.“ Meist wird nur kurz die Note angeschaut, dann das Ganze abgehakt: „Dabei wäre es so wichtig, aus den Fehlern zu lernen.“ In einer „Klassenarbeitskonferenz“ könnten jene Schüler, die diesmal besser abgeschnitten haben, den anderen erklären, was sie in der Arbeit warum falsch machten.

Dass Lehrkräfte die Leistung ihrer Schüler überhaupt mit Noten bewerten müssen, wurde während der Tagung an mehreren Stellen kritisch diskutiert. Wie sinnvoll sind Noten generell? Wie wichtig sind sie dann, wenn die Jugendlichen auf Jobsuche gehen? Für die Wirtschaft seien Noten keinesfalls alles, betonte Dr. Ingo Krüger, Geschäftsführer der Bayerischen Sparkassenstiftung: „Wir wählen unsere Auszubildenden auch danach aus, ob sie sozialkompetent sind und einen Sinn für Gemeinschaft haben.“

Angst verhindert jeden Kompetenzwettbewerb

Notengebung und Kompetenzorientierung können sich durchaus vertragen, unterstrich der Bayreuther Mathematikdidaktiker Volker Ulm, der bei der Herbsttagung Lernumgebungen für kompetenzorientierten Mathematikunterricht präsentierte. So ist es möglich, die in den Bildungsstandards geforderten prozessbezogenen Kompetenzen des Kommunizierens, Argumentierens und Modellierens zu bewerten. Nur Angst dürfe es beim Bewerten ebenso wenig geben wie beim Lernen. Denn Angst verhindert jeden Kompetenzerwerb.

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