Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Pornos in die Schulen! – Ein Meinungsbeitrag zum Würzburger FemFest

Gehören Pornos in den Schulunterricht? Braucht es die Schule, um über die in Pornos dargestellten Geschlechterrollen aufzuklären? Unsere Gastautorin Michaela hat eine Meinung dazu – diskutiert mit. Und wenn Ihr auch ein interessantes Thema habt, schreibt uns: redaktion@wuerzburgerleben.de

 

Pornos in den Schulunterricht!

Ein Meinungsbeitrag von Michaela Keupp.
Auf dem Würzburger FemFest 2013  hatte ich einen kleinen Redeslot beim Pecha Kucha. Den roten Faden meines Vortrags nehme ich hier in meinem Meinungsartikel noch einmal für Euch auf. Das Thema: Pornos gehören in den Schulunterricht!

 

 

Porno spielt mit dem Kopf. Sex ist Kopfsache, und beim Pornofilm wird hauptsächlich die Vorstellungskraft des Gehirns angesprochen. Dementsprechend sind Pornofilme auch aufgebaut. Sie zeigen keinen Sex, wie er real funktioniert, sondern etwas, das gut aussieht. Porno ist nicht Sex, sondern Schauspielerei. Es kommt darauf an, dass die Köper und Bewegungen gut aussehen. Pornos sprechen nur das Auge und das Gehör an. Alles, was sonst  noch zum Sex dazu gehört, wird ausgeblendet. Die Protagonisten sind geschminkt und zurecht gemacht, damit sie ins Bild passen. Sowohl die weiblichen als auch die  männlichen Darsteller sind absolut nicht repräsentativ. Stellungen, Körper und Bewegungen sind  darauf ausgelegt, dass es lecker aussieht und nicht darauf, dass es sich gut anfühlt.

 

Die Medien sind über Pornos hinaus stark sexualisiert. Das führt dazu, dass zum Beispiel die Selbstdarstellung von Jugendlichen in sozialen Netzwerken ebenfalls stark sexualisiert ist. Profilbilder mit möglichst lasziven Posen und Kleidung gehören dazu oder  auch Nicknames wie Pink-Porno-Baby. Durch die Allgegenwart der Medien ist das Schönheitsideal strikt vorgegeben. Schlank und sexy ist hübsch.

 

 

Die sexuelle Entwicklung Jugendlicher findet heute unter anderen Bedingungen statt als früher. Die modernen Medien sind allgegenwärtig. Plakate, Zeitschriften,  Fernsehsendungen, das Internet. Sie durchziehen den Alltag. Und die zunehmende Sexualisierung unserer (Medien-)Welt hat Einfluss auf die sexuelle Entwicklung junger Menschen. Sexualaufklärung geschieht heute vermehrt über das Internet.

 

Führen Pornos zur Verrohung?

Eine Verrohung der Jugendlichen trotz des frühen Kontaktes mit Pornografie zeichnet sich indes nicht ab. Jugendliche können sehr viel kompetenter und reflektierter mit Pornografie umgehen als man es allgemeinhin vermuten würde. Pornos sind nicht der Teufel. Doch Gesprächsangebote zu dem, was Jugendliche gesehen haben, sind enorm wichtig. Mit den eigenen Eltern  über dieses Thema zu sprechen, fällt vielen schwer, gerade wenn sie noch  jung sind und von den Erwachsenen als Kinder betrachtet werden. Jugendliche mit schwierigem sozialen Hintergrund könnten deshalb mit einem gestörten Verhältnis zu ihrer Sexualität aufwachsen, Sex auf das mechanische, leistungsorientierte, herabwürdigende aus den Pornos  reduziert. Deshalb ist es wichtig, Internetpornos im Sexualkundeunterricht zu besprechen.

 

Die Lehrenden müssen bei ihrer Aufgabe unterstützt werden. Dafür eignet sich zeitgemäßes Unterrichtsmaterial wie Dokumentationen, die die Herstellung eines Pornofilms offenlegen, sodass ein Blick hinter die Kulissen möglich wird. Dieses Unterrichtsmaterial soll unter  anderem schriftliches und visuelles Material beinhalten, das die Produktionsbedingungen, rezeptiven Codes und Bedeutungen von Pornografie  erläutert.

 

Pornokonsum in gesellschaftlichen Zusammenhang stellen

Auch soll Pornokonsum in einen gesellschaftlichen Zusammenhang gebracht werden. Der Unterricht soll dazu dienen, sich mit  dem in Pornos propagandierten Bild von Sexualität und dem damit verbundenen Menschenbild und den Geschlechterrollen auseinanderzusetzen.  Schüler_innen werden außerhalb des Unterrichts mit dem Material konfrontiert und sollen mit ihren Eindrücken nicht alleine gelassen  werden.
Um sinnvollen Porno-Unterricht zu machen, müssen die Eltern zuvor informiert werden. Vorgewarnt können sie besser mit den Jugendlichen umgehen und

Reaktionen verstehen. Und sie fühlen sich nicht übergangen. Auch den Schüler_Innen soll viel Freiheit gelassen werden.  So wäre es möglich, die Klasse entscheiden zu lassen, welche Lehrkraft den  Sexualkundeunterricht erteilen soll. Gerade bei diesem heiklen Thema ist  Mitbestimmung ein wichtiger Faktor, damit sich die Heranwachsenden ernstgenommen fühlen und eine erfolgreiche Aufklärung möglich ist.

Der Sexualkundeunterricht sollte über seine bisherigen Themenfelder hinaus Pornos behandeln. Neben rein biologischer Information, wie Körper funktionieren, wie neue Menschen entstehen und  welche Geschlechtskrankheiten übertragen werden, sollten auch  Geschlechterrollen in den Medien thematisiert werden. Und eben Pornos hinterfragt und beurteilt werden.
Informationen und Daten für diesen Beitrag habe ich dem Aufklärungsheft „Let’s talk about Porn“ (CC BY-NC klicksafe) entnommen.

 

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