Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Mängel-Liste Teil 4 – Kein Anschluss, kein Geld. Nirgends.

Schaut man auf die Schwarzen Bretter der ehrenamtlich tätigen Fachschaftsvertretungen, finden sich dort seit einigen Wochen die Plakate „Kein Anschluss. Nirgends.“ Diese werden vom Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften, dem Bundesverband der Fachschaftsvertretungen herausgegeben. Es handelt sich also um ein Problem, das nicht nur in Würzburg bekannt ist. Hier ist es aber auf die Spitze getrieben.  In einigen Universitätsgebäuden werden während des Semesters die Steckdosen abgeschalten, um das Zusammenbrechen des Stromnetzes zu verhindern. Im 21. Jahrhundert, wo die Online-Recherche und das Lesen von elektronisch zur Verfügung gestellter Wissenschaftsliteratur elementarer Bestandteil eines jeden Studiums ist, muss die Frage zulässig sein, ob solche Umstände tragbar sind.

 

Vor dem Hintergrund, dass das Studium in einigen Universitätsgebäuden nur unter derart erschwerten Bedingungen möglich ist, scheinen andere Probleme nebensächlich. Dazu gehört unter anderem, dass im Philosophiegebäude seit zwei Jahren eine Deckenverkleidung fehlt. Bei der Neuanbringung einer Deckenverkleidung handelt es sich natürlich um eine Schönheitskorrektur, die keine Priorität haben kann. Es ist aber fragwürdig und zeugt von dem Willen der zuständigen Behörden, wenn eine Baumaßnahme, die eine neue Deckenverkleidung vorsieht, nach zwei Jahren nicht abgeschlossen ist.

 

 

Die vorher einstmals vorhandene Deckenverkleidung wurde nicht wieder angebracht,  weil diese leicht entflammbar war, quasi „brandgefährlich“. Grundsätzlich scheint der Brandschutz ein großes Thema an der Würzburger Universität zu sein, denn auch in anderen Fakultäten bestehen derartige Probleme. So führt der Fluchtweg aus den Präpariersälen (Medizinische Fakultät) über ein einsturzgefährdetes Dach. Das Problem trugen die Studierenden der Medizin im Dezember letzten Jahres Wissenschaftsminister Dr. Heubisch (FDP) vor. Bisher ist jedoch ungeklärt, ob eine Sanierung der Fluchtwege erfolgen wird.

Was passiert, wenn nichts geschieht?

Was geschieht, wenn dringend nötige Sanierungen nicht rechtzeitig angegangen werden, zeigt sich ebenfalls am Beispiel der Medizin. Der Hörsaal im Anantomiegebäude ist seit diesem Semester geschlossen, weil brandschutzrechtlich mehr als bedenklich ist. Auch dieses Problem ist seit längerem bekannt, gehandelt wurde nicht. In den letzten Wochen wurde das Problem so akut, dass eine weitere Benutzung des Hörsaals unter Sicherheitsaspekten nicht mehr vertretbar war und das Staatliche Bauamt dessen Schließung empfahl. Damit war der Leiter des Anatomischen Instituts, Prof. Ergün, vor die Wahl gestellt, den Hörsaal auf seine Verantwortung weiterhin zu nutzen oder zu schließen. Er entschied sich, den Hörsaal zu schließen. Die für das aktuelle Sommersemester vorgesehene Sanierung ist laut Angaben der Fachschaftsvertretung Medizin „keine Kernsanierung sondern nur eine Verbesserung des Brandschutzes, die dann ‚provisorischerweise‘ für die nächsten Jahre Sicherheit schaffen soll“.

Neubau in der Botanik

Provisorische Sanierungen haben ein Problem, sie beheben Probleme nicht dauerhaft. Wohin das führt, zeigt sich aktuell in der Botanik (Fakultät für Biologie), wo das Tropengewächshaus abgerissen wird, weil es als einsturzgefährdet war. Aber selbst in der Botanik sind mit dem geplanten Neubau nicht alle Probleme behoben, wie die Schäden am Gebäude Botanik I zeigen. Hierzu mehr im fünften Teil der Serie „Mängel-Liste“  am kommenden Donnerstagabend.

Der Direktor des Botanischen Gartens, Markus Riederer, erklärt hierzu: „Als Direktor des Botanischen Gartens der Uni Würzburg darf ich darauf hinweisen, dass derzeit keineswegs das Tropenhaus abgerissen wird. Es ist im Gegenteil in den letzten Jahren mit hohem finanziellen Aufwand saniert worden.
Was derzeit abgerissen wird, ist das Eingangsgebäude zu den Gewächshäusern. Dies geschieht nicht wegen Einsturzgefährdung, sondern um durch einen Neubau bessere Arbeitsbedingungen für Studierende und Schulklassen zu schaffen, bzw. um die Möglichkeit zur Information der Öffentlichkeit zu verbessern.“

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