Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Uni ernennt französischen Premierminister zum Ehrenbürger: flammendes Plädoyer für Europa

„Bienvenue, Monsieur le Premier Ministre“

Am 5. April 2013 hisste Würzburg bleu-blanc-rouge: der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault, einst Austauschstudent in Würzburg, stattete seinem ehemaligen Studienort einen Besuch ab. Nach dem Empfang im Rathaus und einem Rundgang durch die Würzburger Altstadt wurde Ayrault mit der Ehrenbürgerwürde der Universität ausgezeichnet.

 

Eng geht es zu im Lichthof der Neuen Universität am Sanderring. Rund 500 Besucher – unter ihnen zahlreiche Studierende, Hochschulmitarbeiter, Politiker, Journalisten und Schaulustige – stehen dicht an dicht, um den bestmöglichen Platz zu ergattern. Sie alle sind gekommen, um den ehemaligen Würzburger Studenten und heutigen Regierungschef Frankreichs, Jean-Marc Ayrault, die Ehre zu erweisen und seiner Auszeichnung als Ehrenbürger der Alma Julia beizuwohnen. Trotz französischer Regierungs- und europäischer Währungskrise hat sich Ayrault die Zeit genommen, um seine Herzensangelegenheit Europa zu würdigen und Werbung für die Völkerverständigung zu betreiben.

„Mit Stolz und großer Rührung“ habe er die Nachricht aufgenommen, dass seine alte Hochschule ihm die Ehrenbürgerwürde verleihen wollte. In einer kurzen und sympathischen Rede, die in hervorragendem Deutsch gehalten ist und ohne Verweise auf tagespolitische Ereignisse auskommt, stellt der Premierminister der Republik Frankreich vor allem seine enge Verbindung zu Stadt und Universität in den Mittelpunkt. So sei das Auslandsstudium in Würzburg, im Wintersemester 1969/1970, für ihn ein Schlüsselereignis gewesen und habe entscheidend zu seiner politischen Prägung beigetragen: „In Würzburg habe ich meine Liebe zu Deutschland, der deutschen Literatur, der deutschen Kultur und dem deutschen Volk entdeckt, die mich nie wieder los gelassen hat.“

Ayrault Uni Ehrenbürger

Großen Anteil an seinen Erfahrungen habe seine Gastfamilie aus Hardheim genommen, die er bereits im Rahmen eines früheren Deutschlandaufenthalts kennengelernt hatte. Jedes Wochenende sei er aus Würzburg in Richtung Odenwald aufgebrochen, um sie zu besuchen – bis heute werde der Kontakt gepflegt, regelmäßig habe man sich gegenseitige Besuche in Frankreich und Deutschland abgestattet. Selbstverständlich gebühre der Platz auf der Bühne deshalb nicht nur ihm, sondern auch den vier Gastgeschwistern, die auf besondere Einladung der Universität ebenfalls den Weg nach Würzburg gefunden haben.

Es ist zu spüren, dass Ayrault den Besuch in seiner Wahlheimat nicht als Wahlkampftermin oder zum öffentlichen Schaulaufen nutzen will, sondern als Zeichen persönlicher Wertschätzung. Er unterstreicht diese Absicht mit dem Verzicht auf das staatliche Auslandsprotokoll, das ihm ungeachtet aller Sprachkenntnisse eine Rede in der Heimatsprache nahegelegt hätte. Sein Lob an die Universität Würzburg, die „zu den besten und berühmtesten in Europa zählt und mit Wilhelm-Conrad Röntgen einen der bekanntesten Nobelpreisträger überhaupt hervorgebracht hat“, wirkt nicht zuletzt deshalb authentisch.

Sichtlich genießt Ayrault das Bad in der Menge und den Kontakt zu Studierenden, um den er im Vorfeld explizit gebeten hatte. Trotz hohen Termindrucks nimmt er sich vor seiner Weiterreise nach München Zeit für Erinnerungsfotos, schüttelt viele Hände und beantwortet Fragen der jungen Kommilitonen. Klar, dass sich seine wichtigste Botschaft des Tages an die studentischen Besucher richtet: „Reisen Sie so viel und so oft es geht, gerade auch in Ihre Nachbarländer. Es gibt keinen besseren Weg, um Vorurteile abzubauen und zu verstehen, was Europa für uns bedeutet.“

Eine Einladung, der man an diesem Tag am liebsten gleich gefolgt wäre.

Ein Bericht von Stefan Schwaneck mit Fotos von Stefan Schwaneck und Charlotte Auth.

 

- ANZEIGE -