Banner
Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Baumaßnahmen in den ehemaligen Leighton Barracks – Wieviel Abriss ist nötig?

Ein Meinungsartikel von Sebastian Pérez 

Würzburg und die Amerikaner – nach mehr als 60 Jahren endete dieses Kapitel der Stadtgeschichte mit dem Einholen der letzten Fahne am 14. Januar 2009. Viele der damals in Deutschland lebenden US-Bürger schwärmen noch heute von ihrer Zeit in „Wurzburg“ während auch nicht wenige Bewohner der Stadt nur allzu wehmütig in Erinnerungen schwelgen – wer erinnert sich beispielsweise nicht gerne an die Deutsch-Amerikanischen Volksfeste in den Leighton Barracks Würzburg und den regen Austausch der Kulturen? Auch unter den Studenten, die heute, über vier Jahre nach der Schließung des Leighton-Areals, den neuen Uni-Campus bevölkern, will sich der Name des neuen Stadtteils nicht so recht durchsetzen – ein Großteil geht lieber zu Seminaren und Veranstaltungen in die „Leightons“ als auf den „Campus Hubland Nord“. In den nächsten Jahren wird dieses Stadtgebiet eine enorme Umgestaltung erfahren.

In den letzten Wochen wurden bereits die ersten der ehemaligen amerikanischen Offiziershäuser entlang der Straße „Am Galgenberg“ abgerissen, weitere sollen folgen. Grund: Es soll eine Brücke als Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Uni-Campus errichtet werden. So weit, so gut. Ein Zebrastreifen wäre bei dem täglichen Verkehrsaufkommen der Straße „Am Galgenberg“ ohne eine erhebliche Störung des Verkehrsflusses auch kaum realisierbar gewesen. Aber ist für dieses Vorhaben gleich die Beseitigung einer ganzen Häuserreihe notwendig, die sich noch in einem vergleichsweise guten Zustand befindet? Wäre es nicht nützlicher gewesen, einen Großteil eben dieser Bauten als Wohnraum für Familien im neuen Stadtteil Hubland beizubehalten?

 

Rectangle
topmobile2

 


Nach dem vorläufigen Modell vom Januar 2013 wird auch die ehemalige PX / Shopping Mall von der Landkarte verschwinden und einem großflächig angelegten Park weichen. Dieses Gebäude wurde erst im Oktober 1998 eröffnet und war seinerzeit das größte US-Einkaufszentrum seiner Art in Europa; dass die Bausubstanz gerade dieses Komplexes bereits unzureichend sein soll mag man bei allem Vertrauen in die Erfahrung der Konzeptersteller nicht so ganz glauben.

Ebenfalls dem Erdboden gleichgemacht wird laut Plan die ehemalige Commissary direkt neben der PX – auch dieses ehemalige Lebensmittelgeschäft soll durch Grünflächen ersetzt werden. Somit wären also sämtliche schon vorhandene Einkaufsmöglichkeiten im neuen Stadtteil Hubland vorerst beseitigt. Dies muss auch den Stadtteilentwicklern aufgefallen sein; anders kann man sich die folgende Idee zur weiteren Vorgehensweise auf dem Leighton-Areal wohl kaum erklären: Das ehemalige Kino, welches sich direkt gegenüber der Shopping Mall befindet, soll erhalten bleiben und nach der Landesgartenschau 2018, wo es als Blumenhaus fungieren wird, zum Einkaufszentrum umfunktioniert werden.

 

Die Architekten werden sich die kritische Nachfrage gefallen lassen müssen, warum man zwei bereits existierende, nicht allzu sehr in die Jahre gekommene Bauwerke, die bereits heute den Zweck erfüllen, für den das Kinogebäude umgebaut werden soll, abreißen will. Wäre es nicht viel vernünftiger, zumindest die 15 Jahre alte PX zu erhalten und das Kino in seiner ursprünglich angedachten Form zu belassen? Eine sinnvolle Verwendung deutscher Steuergelder sieht jedenfalls anders aus.

Sebastian Pérez, former WAHS student and Leighton Barracks Würzburg resident 

 

Rectangle2
topmobile3

Leighton Barracks Würzburg damals und heute – mit vielen Fotos und Videos aus der Zeit der Amerikaner in Würzburg und nach deren Abzug: http://www.facebook.com/LeightonBarracksWuerzburg

Weitere Informationen zum geplanten Umbau der Leighton Barracks Würzburg: http://www.wuerzburg.de/de/themen/bauen-wohnen/stadtentwicklung/konversionverfahrenleightonbarracks/integriertesstadtentwicklungskonzeptisek/rahmenplanbeschlossen/31024.Rahmenplan_Hubland.html

Banner 2 Topmobile