Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Schimmel, Kälte, Nässe – 500 Mio. Sanierungsbedarf an Uni

Viel Geld investiert die Uni in Marketing-Maßnahmen, um sich in der Konkurrenz der Hochschulen als exzellent zu präsentieren. In der gestrigen Online-Ausgabe des Uni-Spiegels kam die Uni Würzburg aber ganz schlecht weg. Thema waren die baulichen Mängel an deutschen Unis (hier zum Spiegel-Artikel: Studieren auf eigene Gefahr) – und gleich auf dem Titelbild die Philosophische Fakultät I. „Flure des Grauens“ so die Bildunterschrift. Der Spiegel-Artikel wurde mehr als 1.500 x bei Facebook geteilt – ziemlich schlechte Werbung für eine Uni, die sonst sehr gute Leistungen vorzuweisen hat. Was ist dran an den Spiegel-Vorwürfen zu „Schimmel, Kälte und Nässe“? Wir haben Mitarbeiter und Studenten gefragt – hier das Ergebnis:

»Architektonisch Herausgefordert« – Von Baumängeln und Einmachgläsern

Eine halbe Milliarde – 500.000.000 – Euro soll Medienberichten zufolge der bauliche Investitionsbedarf an der Uni Würzburg betragen. Das ist eine höchst

abstrakte Zahl, die sich jedoch problemlos in handlichere Größen umrechnen lässt. So kann man dafür einen Versandhandels-Leiharbeiter rund 57.000 Jahre lang rund um die Uhr Päckchen packen lassen (ohne Schalttage) – falls er den Bus zu seiner Schicht nicht verpasst. (Aber das ist eine andere Geschichte). Für die gleiche Summe erhält man allerdings auch viele praktische Dinge, die den Uni-Alltag enorm erleichtern und die baulichen Mängel überwinden helfen: Wahlweise rund 150 Millionen 10-Liter-Haushaltseimer, 50 Million Paar wärmende Handschuhe – oder 250 Millionen handelsübliche Einmachgläser.

»Eimer, Handschuhe und Einmachgläser?« – warum sollten diese im universitären Leben eine Rolle spielen? Eine gute Frage – aber wer sich auch nur einmal länger als einer übliche Sprechstundenzeit in einem durschnittlichen 60-er-Jahre-Uni-Büro aufgehalten hat, erkennt die Notwendigkeit dieser Utensilien augenblicklich.

 1. Die Eimer

Zunächst die Eimer: Als zunächst unentbehrliche Helfer im Haushalt haben sie sich zusätzlich auch im studentischen Feiermilieu etabliert – hauptsächlich als übergroße Getränkespender. Innerhalb der Universität jedoch dienen sie in der Regel weniger zur Entleerung, sondern eher zur Befüllung: Jeder Tropfen des Wassers, der sich durch eines der undichten Dächer hindurchwindet und von einem der bunten Plastikbehälter aufgefangen wird, verhindert Rutschgefahr sowie Schäden an der ohnehin schon geplagten Bausubstanz. Außerdem lockern Eimer die streng vergeistigte Atmosphäre auf, in dem sie Farbe in den wissenschaftlichen Alltag bringen. Mehrwert: Man kann sich über diejenigen Zeitgenossen freuen, die – den Blick beim Gehen starr auf das Smartphone geheftet – in einen der gefüllten Behälter treten und dadurch eine ungeplante Karriere auf youtube hinlegen. Win-Win-Win für alle!

 2. Die Handschuhe

Wer noch zu Zeiten von AOL-CDs aufgewachsen ist, weiß, dass das Internet im wissenschaftlichen Produktiveinsatz (»Copy/Paste«) nicht auf einem flachen Tablett daherkommt, sondern in der Regel mit Tastatur und Maus bedient wird. Das Problem dabei: Man exponiert beide Hände beim Gebrauch dieser Instrumente stets bis zur Handwurzel. Das wäre in einer subtropischen Umgebung auch problemlos möglich. Angewandt im durchschnittlichen Uni-Raum jedoch neigt stets die dem Fenster zuwandte Hand – vor allem im Winter – zur Bildung von Raureif und Frostbeulen, da sich die Tischplatte in der Regel stets genau auf Höhe der undichten Stelle des Fensterrahmens befindet – durch die es ungehemmt hereinzieht. Das sorgt im Sommer für angenehme Kühlungseffekte, ab Oktober hingegen wähnt man sich klimatischen Bedingungen ausgesetzt wie Robert F. Scott auf dem Weg zum rettenden Basislager. Ob sich sein grimmiges Schicksal durch den Besitz moderner Funktionsstoffe hätte abwenden lassen, sei dahingestellt – der gewöhnliche Uni-Insasse jedoch vermeidet mit einem Paar günstiger Handschuhe das Abfrieren der von durch Computerarbeit freigelegten Extremitäten. Überhaupt passen sich zahlreiche Universitätsräume den Jahreszeiten vorbildlich an – im Sommer warm, im Winter kalt, bei Regen feucht. Die Universität hat die ungemütlichen Zustände, die in vielen Büros und Uniräumen herrschen, jedoch erkannt und erfolgreich Gegenmaßnahmen eingeleitet: Das Übernachten in Diensträumen ist untersagt.

3. Das Einmachglas

Kommen wir zum dritten Utensil: Ein Einmachglas erfüllt den Zweck des Konservierens und Haltbarmachens. »Prima!«, könnte man meinen. »Wenn es nur groß genug ist, passen möglicherweise einige der Uni-Gebäude darunter!« Aber das würde dem eigentlichen Zweck zuwiderlaufen. Außerdem werden sie dringender dazu benötigt, die verderblichen Früchte zu ernten, die Feuchtigkeit und stetiger Verfall hervorbringen: Sobald ein zarter Pilz seinen Hut aus dem Gemäuer streckt – vorsichtig einsammeln und aufbereiten (60 Minuten bei 95 Grad!) Wohl bekomms!“

Von Mitarbeitern und Studenten der Uni augenzwinkernd verfasst

 

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