Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

"Luftschloss“ Würzburg – Der Umsonstladen feiert 1. Geburtstag

Luftschlösser bauen ist eigentlich nichts Reales. Dass Luftschlösser doch auch in Wirklichkeit baubar sind, zeigt ein Umsonstladen in Würzburg – das Luftschloss.

IMGP5158Das Luftschloss ist ein Raum, in dem gebrauchte Dinge neue Besitzer finden oder umgestaltet werden, alles umsonst und von Ehrenamtlichen gestaltet. Was anfangs nach einer Utopie klang, bewährt sich nun schon seit einem Jahr. Der Laden wird so gut angenommen, dass er im Sommer sogar erweitert wurde. Neben vielen neuen Besitzern für die gebrauchten Gegenstände fanden sich ebenfalls viele neue helfende Hände.

Das Projekt wird durch Spenden finanziert und lebt von der Mithilfe der Besucher, die nicht nur Dinge bekommen, sondern auch an Workshops und Informationstagen teilnehmen können.

 

Die ursprüngliche Idee war es, Dinge an andere zu verschenken oder zu recyclen, die  man ansonsten einfach weggeworfen hätte.
„Bei mir steht der ökologische Gedanke im Vordergrund, so viele Dinge werden weggeschmissen, obwohl sie noch gebraucht werden können“, erklärt Marce Keupp. „Für eine Jeans zum Beispiel braucht man rund 6.000 Liter Wasser. Warum müssen wir immer neue Kleidung kaufen, statt gebrauchte Dinge weiterzugeben?“ Die Softwareentwicklerin kam als Besucherin in den Laden und fand die Idee so gut, dass sie selbst aktiv wurde.

Gebrauchte Kleider haben eine Geschichte

„Ich habe in Kuba viele Leute mit Kleidung gesehen, auf der deutschsprachige Aufdrucke waren. Anfangs habe ich mich gewundert, bis mir klar wurde, dass unsere Kleiderspenden dort teuer verkauft werden, obwohl es in Kuba tolle Schneider und Schuhmacher gibt. Ihnen wird mit dem Verkauf unserer Dinge die Lebensgrundlage genommen, während wir die alten Dinge auch hier gebrauchen können“ erzählt die Studentin Simone Kapp, die schon seit der Ladeneröffnung dabei ist. „Kleidervererbung ist nichts Schlechtes. Ich war als Kind immer sehr stolz auf die gebrauchte Kleidung meiner Cousinen. Ich mag Dinge, die schon eine Geschichte haben.“

Die beiden Helferinnen gehören mit rund 15 anderen motivierten Ehrenamtlichen zu einem festen Team, das den Laden während der Öffnungszeiten betreut, Waren einsortiert, aufräumt, Workshops und Veranstaltungen anbietet. Andere kommen gelegentlich zum Aufräumen oder zum Umbau vorbei. Ein Ehrenamtlicher erfreut die Helfer regelmäßig mit Gedichten über das Luftschloss. Neue helfende Hände sind bei dem Projekt immer gerne willkommen.

„In den Schichten macht es Spaß, auch Zeit für die Besucher zu haben. Es gibt einige Stammkunden, ansonsten sind auch immer wieder Neue dabei“, erzählt Marce Keupp. „Einige Kunden verwenden das Bücherregal sogar nur zum Ausleihe. Manche kommen auch zum Tauschen von Dingen“. Prinzipiell kann jeder Sachen bringen oder mitnehmen. Viele Gegenstände haben hier schon ihren Besitzer gewechselt. Im letzten Jahr fanfden unter anderem ein Fotoentwickler, eine Nähmaschine, unzählige Bücher, Sprachkurse, eine uralte russische Kamera, Lexika, Schuhe, Hosen, Röcke und viel Geschirr neue glückliche Besitzer. „Das kommerziell Tollste war in meiner Schicht mal ein Plattenspieler, der aber auch schnell weg war“, erzählt Simone Kapp. Der Wert einer Ware ist im Umsonstladen nicht, was sie gekostet hat, sondern ob jemand Verwendung für das gute Stück hat. „Das Schönste ist eigentlich, dass jedes Ding hier ein Einzelstück ist und schon eine Geschichte besitzt“.

Statt Müll oder Dachboden: Up-cycling

Mit dem Laden soll ein Zeichen für bewussteren Konsum gesetzt werden, um von der Wegwerfgesellschaft zu entfernen. Gegenstände bekommen hier wieder einen Wert, die woanders schnell im Müll landen oder lange auf Dachböden lagern würden.

„Im Laufe des Jahres ging es neben dem ökologischen Gedanken mehr und mehr auch um die vielen interessanten Leute, die ihr Wissen mitbringen und sich austauschen können“. Aus dieser Idee gingen Workshopangebote hervor, in denen man lernen kann, wie Altes zu Neuem wird. „Im Sommer hatten wir einen Aus-alt-mach-neu-Nähworkshop, bei dem man Kleidung bedrucken und Pflanzensetzlinge tauschen konnte.“ schwärmt Marce Keupp. All diese gebrauchten Kleinode liefern den Ehrenamtlichen viele Ideen zum „Upcyclen“: Aus alten Sachen neue, brauchbare Gegenstände gestalten. Simone Kapp hat aus ungenutzten roten Stoffschuhen, grüner und gelber Farbe, Erdbeerschuhe gebastelt, die im Sommer zu ihrem Lieblingsstück wurden.

Der erste Geburtstag des Luftschlosses wird natürlich auch mit kreativen Projekten gefeiert. Am Samstag, den 23. Februar finden ab 14 Uhr Upcycling-Workshops statt. Am Nachmittag und am Abend spielen Bands und improvisieren in Jam-Sessions bevor in der Nacht zum zweiten Mal die „Warenlagerparty“ stattfindet.

Getränke und Kuchen werden gegen Spenden für den Umsonstladen und GlobalBikeTrotting (ein Bambusrad fährt für sauberes Trinkwasser in Indien um die Welt) abgegeben.
Infos zu Treffen, zum Mitmachen und zum Fest findet man unter
 http://umsonstladen4wuerzburg.wordpress.com/

 


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