Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Dem Schlachtross ganz nah – Kamingespräch mit Peer Steinbrück

Gemeinsam mit der Jungen Presse Würzburg, die das Uni-Radio UR Würzburg sowie das Hochschulmagazin Max&Julius herausbringt, stelle wir Euch in Zukunft besondere Themen aus Würzburg vor. Unsere Autorin Katharina Donhauser, Chefredakteurin von Max & Julius, berichtet von einem Kaminabend mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück in Würzburg. 

Dem Schlachtross ganz nah – Kamingespräch mit Peer Steinbrück

Obwohl der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück am vergangenen Freitag Würzburg einen Besuch abstattete, wurde nicht allzu viel Aufhebens um die Sache gemacht. Im Rahmen eines „Kamingesprächs“ waren lediglich ausgewählte Bürger und Bürgerinnen geladen. Dies sollte es ermöglichen, dem Spitzenkandidaten persönlich Fragen zu stellen, auch wenn sich diese auf lokale Probleme beziehen würden. Location für diese erlauchte Runde bildete die Zehntscheune im Juliusspital, ein Saal der  durch warmes Licht und ein paar (rote) Kerzen sofort Gemütlichkeit ausstrahlte.

„Es gibt keine doofen Fragen, es gibt im Zweifelsfall nur doofe Antworten von mir.“

Mit diesem selbstironischen Kommentar eröffnete Peer Steinbrück die Diskussionsrunde. Falls er eine Frage nicht sofort beantworten könne, solle man die Adresse abgeben, er würde sich dann in den nächsten Wochen um eine Antwort bemühen. Denn wie im Verlauf der Diskussion ersichtlich wurde, lieferte die Agenda der SPD nicht für jede spezielle Frage eine vorgefertigte Antwort. Vom Energieproblem in Sportvereinen, über die Problematik des Studiums für Menschen mit Behinderungen, bis zur Diskussion über die Lage in Libyen wurde der Spitzenkandidat der SPD mit Fragen bombardiert.

Wer soll die baufällige Mensa sanieren? 

Bei der Problematik, ob es möglich wäre, die Mängel der baufälligen Hublandmensa auch ohne Studiengebühren zu beheben, verwies er auf die Tatsache, dass die Bildungsfinanzierung nach wie vor Sache der Länder sei. Dies sei im Grundgesetz durch das sogenannte Kooperationsverbot festgelegt und dieses sollte abgeschafft werden. Allerdings sollte man in diesem Fall nicht nur den Hochschulbau fokussieren, sondern beispielsweise auch die Kinderbetreuung in Kindertagesstätten.  Steinbrück warnte vor einer Akademisierung, da die Arbeitnehmerschaft immer weiter zurück gehe und Deutschland qualifizierte Facharbeiter benötigt.

Auf eine weitere Frage, die besonders die Würzburger betrifft, nämlich die aktuelle Wohnungsnot, verwies er auf die Mieterschutz-Initiative, mit der dem Preiswucher Einhalt geboten werden soll. Außerdem möchte die SPD laut ihrer Agenda einige Milliarden in den Wohnungsbau finanzieren, um das Leben in den Städten attraktiver und gerechter zu gestalten. Allerdings geht es hierbei primär um Großstädte, wie Hamburg oder Berlin. Ob Würzburg also von diesem Programm profitieren könnte, ist kritisch zu betrachten.

„Mein eigener Laden vergaloppiert sich auch!“

Auf die Frage eines Gastes, wie die SPD denn das Problem der immer weiter ansteigenden Politikverdrossenheit der Jugend angehen möchte, antwortete Steinbrück: „Man muss hier projektbezogen vorgehen. Themen, die die Jugendlichen interessieren, sollen in den Fokus gerückt werden. Ziel ist hier nicht der Eintritt in die Partei, die Jugendlichen können selbstständig über Distanz und Nähe entscheiden.“ Allerdings gab er zu, dass auch die SPD für dieses Problem kein Patentrezept in Petto habe, ebenso wenig wie die anderen Parteien.

„Kein Stress, ihre Fragen werden beantwortet.“

Obwohl anzunehmen ist, dass der Kanzlerkandidat einen recht vollen Terminkalender hat, nahm sich Peer Steinbrück nochmal zwanzig Minuten länger Zeit, um über die restlichen Anliegen der Bürger zu sprechen. Auf viele dieser Fragen konnte er kompetente Antworten oder Erklärungen liefern, doch wie es auch bei den anderen Parteien der Fall ist, hat die SPD nicht für jedes Problem den perfekten Lösungsansatz.

Katharina Donhause

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