Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Gedenken, Mahnen, Beschmieren – Linke und der Studentenstein

In Würzburg hat das Beschädigen des Studentensteins Tradition. So wurde vor wenigen Wochen auch das Mahnmal abermals Opfer von Sachbeschädigung.  Fernab der Tatsache, dass Vandalismus nicht zu tolerieren ist, stellt sich die Frage: Inwieweit muss man überhaupt Gefallenen aus dem 2. Weltkrieg gedenken? Ist die Geschichte dieser Denkmäler nicht auch fragwürdig?

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern wird auch der Studentenstein (gegenüber der Sanderuni) beschädigt. In der Nacht zum 18. Januar war es wieder soweit. Neben der roten Farbklecksen auf der Vorderseite wurde seitlich ein neonfarbener Schriftzug „Deutsche Täter sind keine Opfer“ auf den Stein gesprüht. Der Oberkommissar Dominik Schmidt geht daher davon aus, dass die Täter dem linken Spektrum zuzuordnen sind. Nun ermittelt er  wegen des Verdachts einer gemeinschädlichen Sachbeschädigung (§ 304 StGB). Das Gesetz sieht für den oder die Täter eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren oder eine Geldstrafe vor.

Es war nicht das erste Mal, dass das Studentenmahnmal von linken Vandalen heimgesucht wurde. Ziemlich genau vor einem Jahr wurde der 22 Tonnen schwere Stein mit Farbe besprüht. Es entstand ein Sachschaden von rund 300 Euro. Das Pikante dabei: Offensichtlich  waren es dieselben Täter. Genau wie bei der Tat vor einigen Tagen, bekannten sich die „Antifaschisten“ auf der linken Plattform indymedia.org zu ihrer Tat. Da die Seite auf völliger Anonymität und Intransparenz aufgebaut ist, ist eine Zurückverfolgung des Posts schwer möglich. Womöglich stehen die  Server in Ländern, in denen es das hiesige Recht nicht zulässt, an die Serverdaten zu kommen.

Indymedia.org 

indymedia.org bezeichnet sich selbst als eine Internetplattform, die  Raum für Berichterstattung und Hintergrundinfos zu politischen Themen bietet. Das heißt: Jeder kann posten, zumindest jeder, der mindestens eine stramme linke Einstellung an den Tag legt. Zwar behalten  sich die Moderatoren der Seite die Veröffentlichung von Beitragen vor,  jedoch sind die Hürden hierzu offensichtlich sehr gering, so dass sogar Bekennerschreiben von Straftaten ihren Weg auf die Seite finden. In einem Chatgespräch meinte ein Moderator, die Moderation könne keine Verantwortung über die Inhalte übernehmen, denn sie seien ja nicht die Urheber.

 

Geschichte des Gedenksteins

1927, genauer gesagt im Juli dieses Jahres, wurde das Mahnmal anlässlich des 10. Deutschen Studententages eingeweiht. Zu Zeiten Hitlers verkam der Stein zum Propagandawerkzeug. Sein Name war nun „Langemarckstein“, der an die blutige Flandernschlacht im ersten Weltkrieg erinnerte. Zu diesem Zweck wurde nicht nur der Reichsadler vergrößert, sondern auch ein Hakenkreuz platziert. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Stein zum heutigen Ort versetzt. Doch auch inhaltlich gab es eine klare Umorientierung. Adler und Hakenkreuz verschwanden und auch die Inschrift wurde verändert. Sie lautet nun: „Die Deutsche Studentenschaft im Gedenken an den Tod – das Opfer – das Vorbild“

Gedenkstein oder Mahnmal?

Inwieweit sind solche Gedenksteine aber überhaupt noch zeitgemäß? Sinn und Zweck eines Mahnmales ist der Wortsinn als solcher: Das Mahnen. Es geht nicht um eine Verherrlichung von Krieg und Gewalt, so wie es die Nazis wollten und die Täter es anprangern. Vielmehr ist es angedacht, ein warnendes Symbol gegen das Blutvergießen zu setzen. Und auch wenn die Deutschen Täter waren, so waren viele auch Opfer. Manche sogar ausschließlich.

Jedes Jahr versammeln sich um den Stein neun Studentenverbindungen, die sich im Intercorporativen Convent (ICC) Würzburg zusammengeschlossen haben, um mit Kränzen und Schweigen den gefallenen Studenten zu gedenken. Jedoch distanzieren sich die Verbindungsstudenten von der Langemarck Geschichte. Die Verbindungen hätten mit dem Nazi-Mythos, so der ICC Sprecher Patrick Deutsch, „nichts, außer Ablehnung“ gemein. Und trotzdem pilgern die Korporierten jährlich genau zu dieses Denkmal. Warum? Laut Deutsch versuchen die Verbindungsstudenten, am Stein an die Schrecken des Krieges zu erinnern und an das „was Kriege auslöst“. Fraglich bleibt freilich, warum gerade Studentenkorporationen, die ohnehin dem Verdacht rechtsextremer Tendenzen ausgesetzt sind, gerade bei einem Mahnmal mit Nazi-Beigeschmack ein alljährliches Gedenken veranstalten.

Und so ist es auch wichtig, den Sinn von Weltkriegsmahnmalen zu hinterfragen.

Sicherlich geben die Mahnmale den namenlosen Gefallen eine Stimme. Jedoch sollte man sich nicht auf diese eine Stimme verlassen und ein singuläres Ereignis als Maßstab für die Gegenwart nehmen. Und dennoch: es gibt auch heute viele Länder, in denen Unterdrückung und Verfolgung allgegenwärtig sind. Deutschland ist gut beraten, nicht tatenlos zuzusehen. Vielleicht ist das die wichtigste Lehre aus den Weltkriegen.

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