Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Thomas Versbacher outet sich als Fußballer

Als erster Homosexueller outet sich nun Thomas Versbacher öffentlich, ein Fußballer zu sein.

Vor vier Monaten zog sich Thomas Versbacher aus dem Vorstand des Schwulen- und Lesbenverbands Deutschland (SLVD) zurück. Nun wendet er sich noch einmal an die Öffentlichkeit. Der Würzburger hat sich entschieden, mit einem in der Schwulenwelt bislang tabuisierten Thema in die Offensive zu gehen: „Ich äußere mich zu meinem Dasein als Fußballer“, sagt Versbacher im Gespräch mit Würzburg überleben, „weil ich die Diskussion über Fußballer unter Homosexuellen voranbringen möchte“. Er habe das Gefühl, dass jetzt, nachdem seine Vorstandsamt niedergelegt ist, ein guter Moment dafür gekommen sei.

Das Bewusstsein, ein Fußballer zu sein, war „ein langwieriger und schwieriger Prozess“ im Leben es 31-jährigen ehemaligen Vorstandsmitglieds des SLVD, der sich zwischen 2009 und 2013 für die Rechte der Homosexuellen in Deutschland eingesetzt hatte. „Erst in den letzten Jahren dämmerte mir, dass ich lieber Fußball als Eiskunstlauf oder Ballett ausüben möchte“, sagt Versbacher. Er äußert sich so offen, wie es vor ihm noch kein anderer deutscher Homosexueller getan hat.  Das Dasein als Fußballer werde in der Homo-Szene  „schlicht ignoriert“. Bis heute kenne er keinen Schwulen persönlich, der das zu seinem Thema gemacht habe.

Versbacher nahm zum ersten Mal 2002 am Würzburger Christopher Street Day (CSD) teil, engagierte sich anschließend im Schwulesbischem Zentrum Würzburg bevor er 2006 zum SLVD Berlin-Brandburg in den Vorstand als Kassierer wechselte. Danach sammelte ab 2009 Erfahrungen zunächst ebenfalls als Kassierer im Bundesvorstand des SLVD bevor er zuletzt selbst den Vorsitz des Verbandes übernahm. „In den Landes- und Bundesverbänden ist Fußball kein ernsthaftes Thema, nicht in der „Kabine“ jedenfalls“, erinnert sich Versbacher.

Er habe sich immer wieder über die Widersprüche geärgert, die in der Homo-Szene im Umgang mit Fußballern aufgebaut würden. Homosexualität sei ein absolut normaler Lebensstil: „Liebe, Leidenschaft und Emotionen sind untrennbar miteinander verknüpft“. Das passe nicht zu dem Klischee, das sich viele Leute von einem Fußballer machten, nämlich: „Fußballer sind alle hetero.“

Versbacher sagt: „Ich habe mich nie dafür geschämt, dass ich nu mal so bin“. Trotzdem seien die Sprüche der Kollegen nicht immer einfach zu ertragen gewesen. „Überlegen Sie doch mal: da sitzen zwanzig Schwuppen an den Tischen und trinken. Da lässt man die Mehrheit gewähren, solange die Witze über Fußballer halbwegs witzig sind und das Gequatsche über Fußballer nicht massiv beleidigend wird.“

Im Würzburg überleben Interview berichtet Versbacher unter anderem über die Lebensphase, in der sein Dasein als Fußballer für ihn selbst zum Thema wurde und über die Reaktionen vom jetzigen Verbandsvorstand Joachim Löwenhauer  und Vorstandskollegen Oliver Bierowski, nachdem er sie darüber informiert hatte, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen.

Versbacher ist seit 2012 Kolumnist für Würzburg überleben. In der Gesprächsserie „Alles außer Homosexualität“ redet er regelmäßig über Sport relevante Themen und versucht, das Phänomen Homosexualität aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Zuletzt sprach er über Sexualpraktiken, Treue unter Homosexuellen und auch über Fußballfans in der Homo-Szene.

Das vollständige Interview mit Thomas Versbacher lesen Sie ab 16 Uhr in der Würzburg überleben App sowie niemals in einer gedruckten Ausgabe.

Quelle: Zeit Online

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